Außerkörperlich durch die Löcher des Netzes fliegen
1. Kapitel
Werner Zurfluh

Erstmals veröffentlicht in:
Der Wissenschaftler und das Irrationale - Bd. 1: Beiträge aus Ethnologie und Anthropologie,
Hg. Hans Peter Duerr, Frankfurt a.M.: Syndikat, 1981:473-504.
2.Aufl. 1996 im HTML-Format, teilweise ergänzt.
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1. Kapitel:
Sprachgewohnheiten, Verhaltensweisen und
systemimmanente Sachzwänge



Beim Einschlafen geht das normale Bewußtsein verloren, und erst beim Aufwachen kehrt es wieder zurück - der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes. Im Traum weiß man nicht, wer man ist, denn das Traum-Ich hat ein anderes Bewußtsein und eine andere Identität als das Alltags-Ich. Das ist so selbstverständlich, daß eine Problematisierung unnötig scheint. Sobald man in einem Traum merkt, daß man träumt, erwacht man gleichzeitig. Da der Zustand des Ich-Bewußtseins mit dem des Körpers gleichgesetzt wird, ist es unmöglich, wachend zu schlafen und bei vollem Bewußtsein zu träumen. So etwas würde den Gewohnheiten des Sprachgebrauchs und dem normalen Verhalten widersprechen. Aber ich habe mich nicht an diese allgemeinen Gepflogenheiten gehalten und sah mich deshalb mit manchem konfrontiert, das ich sonst wohl kaum je beachtet hätte

Schon als Kind und als Jugendlicher konnte ich mich meistens am Morgen an einen Traum erinnern, aber ich achtete nicht besonders darauf. Nur einige wenige, als Schlüßelerlebnisse zu bezeichnende Träume schrieb ich auf. Mit ihnen beschäftigte ich mich sehr intensiv. Stets hatte ich wie selbstverständlich das Bedürfnis gehabt, zumindest nebenher auf die Traumwelt zu achten. Den Grund hierfür kann ich nicht angeben, denn die ersten diesbezüglichen Erinnerungen verlieren sich im Dunkel der frühen Kindheit - damals waren die Welten noch nicht fein säuberlich getrennt. Und von allem Anfang an war ich nicht bereit, die eine Welt zugunsten der anderen aufzugeben. Die Möglichkeit in beiden Welten leben zu können - gleichzeitig oder abwechslungsweise -, befriedigte mich mehr.

In der Pubertätszeit machte ich spontan die ersten außerkörperlichen Erfahrungen. Es war mir zu Beginn unmöglich, während dieses ungewöhnlichen Zustandes - vom Ich-Bewußtsein (der Bewußtheit) und dem Gefühl der Ich-Identität aus gesehen - den geringsten Unterschied zum Wachbewußtsein festzustellen. Sogar die Körperempfindungen waren wie gewohnt. Zuerst glaubte ich, mitten in der Nacht aufgestanden zu sein, wobei ich mich aber überhaupt nicht müde fühlte, sondern eher ausgeruht und erfrischt. Irgendwie kam mir das sehr merkwürdig vor, denn normalerweise verspürte ich eine bleierne Müdigkeit, wenn ich einmal mitten in der Nacht aufstehen mußte. Deshalb blieb ich mißtrauisch und handelte mit größter Zurückhaltung und Vorsicht. Der für mich ungewöhnliche Zustand dauerte jeweils nur wenige Sekunden und wiederholte sich oft mehrere Male. Ich stand normal auf und ging einige Schritte im Zimmer umher. Plötzlich lag ich wieder im Bett. Die Schnelligkeit der Rückkehr war mir vorerst unerklärlich. Ich erhob mich von neuem, ging umher und schnellte wieder zurück. Die Wiederholungen ermöglichten es mir, das Geschehen genauer zu beobachten, bis ich versuchsweise den Schluß zu ziehen vermochte, daß ich einen Zweitkörper besitzen mußte. Dieser Zweitkörper war empfindungsmäßig mit dem physischen Körper völlig identisch!

Diese Betrachtungsweise entsprach am besten der gegebenen Situation. Ich ängstigte mich wohl deshalb nicht, weil ich sofort erkannte, daß damit endlich eine Möglichkeit gegeben war, auch des Nachts frei zu agieren und Entdeckungen zu machen. Nie kam mir der Gedanke, daß dies paranormal sein könnte. In naiver Unvoreingenommenheit nahm ich im Gegenteil an, daß es ein ganz normaler Zustand sei - sonst wäre darüber geredet worden. Ich ahnte nicht, wie weit meine Erlebnisse von der praktischen und theoretischen Normalität entfernt waren, und wußte nun, daß auch außerhalb des Zustandes des körperlichen Wachseins alle emotionalen Reaktionsweisen und das gesamte Instrumentarium der kognitiven Funktionen erhalten bleiben können.

Das Wahrnehmungsvermögen, die Gedächtnisleistungen, die Lernfähigkeit, der Denkstil, die Vorstellungs- und Urteilsfähigkeit sowie die Beherrschung der Sprache bleiben nicht nur erhalten, sondern sind unter Umständen erheblich gesteigert. Ich bin mir meines Zustandes bewußt und erkenne die Umwelt als nichtalltäglich und eigenen Gesetzen unterworfen. Diesen Zustand bezeichne ich mit dem Wort »Außerkörperlichkeit«.

Außerkörperlichkeit (Anm.1) ist jener Seinszustand, in dem Erfahrungen gemacht werden, die nicht vom Wachzustand des physischen Körpers begleitet sind. Das Ich verfügt dabei über alle emotionalen und kognitiven Funktionen, über die normale Stabilität und Koordination. Der Zustand des physischen Körpers wird klar erkannt. Das ist für mich wie für viele andere eine Erfahrungstatsache, die sich sprachlich am besten mit dem Wort »außerkörperlich« bezeichnen läßt, weil damit der gefühlsmäßige Eindruck situationsgerecht ausgedrückt wird: das Ich hat seinen Körper verlassen. Dabei kommt es gewissermaßen zu einer räumlichen Verschiebung des Ich-Bewußtseins.

Die Tatsache, daß sich bewußtseinsmäßig keinerlei Unterschied zwischen innerkörperlichem und außerkörperlichem Zustand ausmachen ließ, zwang mich zu größter Vorsicht. (Anm.2) Ich wollte unter keinen Umständen schwer verunfallen - nur weil ich mich nicht vergewissert hatte, in welchem Körper ich mich aufhielt. Also entwickelte ich die »Zustandskontrolle«. Eine Zufallsentdeckung hatte mich darauf gebracht: Mit dem Zweitkörper ließen sich feste Gegenstände durchdringen - jedenfalls erlebte ich es so. Diese Eigenschaft benutzte ich, um vollständige Gewißheit zu erlangen, außerhalb des schlafenden Körpers zu sein.

Der außerkörperliche Erfahrungsbereich erweiterte sich kontinuierlich und entwickelte sich gefühlsmäßig befriedigend. Je größer aber die schulische Belastung durch die näherrückenden Maturitätsprüfungen wurde, desto seltener »löste« ich mich vom Körper ab. Es gelang mir jetzt auch immer weniger, die Kontinuität des Ich-Bewußtseins während des außerkörperlichen Zustandes über eine längere Zeitspanne hinweg aufrechtzuerhalten. Immer schneller fiel ich in einen gewöhnlichen Traumzustand hinein, in dem keine Kontrolle des Geschehens und der eigenen Handlungen mehr möglich war. Daß ein direkter Zusammenhang mit den schulischen Belastungen bestehen könnte, erkannte ich damals nicht. Zwar mißfiel mir diese Entwicklung, aber ich wollte der Wende keine besondere Bedeutung zumessen, da sie möglicherweise einer notwendigen Entwicklung entsprach.

Im Jahre 1965 begann ich das Studium der Naturwissenschaften. Es schien mir wesentlich, exakte Grundlagen und saubere experimentelle Arbeitsmethoden kennenzulernen. Ich nahm mir vor, nach dem Doktorat in Biologie ein Zweitstudium geisteswissenschaftlicher Richtung aufzunehmen. In den ersten Semestern belegte ich Zoologie im Hauptfach und als Nebenfächer Botanik, Chemie und Physik. Nebenher fand ich noch genügend Zeit, anderes zu tun - und mich mit den Träumen zu beschäftigen. Obwohl außerkörperliche Erlebnisse ziemlich selten blieben, waren die Träume doch sehr friedlich und befriedigend. Die Belastungen an der Universität begannen bald größer zu werden, denn es galt für die Zwischenprüfungen zu lernen und das erste Nebenfach Botanik zu absolvieren. Die Prüfungen verliefen mehr oder weniger zu meiner Zufriedenheit, obwohl innerlich meine Unruhe wuchs. Aber in der Nacht auf den 7. Februar 1968 erlebte ich folgenden »Traum« :
.

Ich bin mit meiner »Anima« zusammen. So nenne ich eine in meinen Träumen immer wiederkehrende junge Frau mit meist blonden Haaren, die sehr hübsch ist und meiner Frau gleicht. Es erstaunt mich, daß zwischen uns ein derart harmonisches Einvernehmen besteht, denn ich erinnere mich, bei C. G. Jung gelesen zu haben, daß dies üblicherweise nicht der Fall sei. Wie in vielen anderen Träumen - an die ich mich jetzt (im Traum!) durchaus erinnern kann - bin ich erfüllt von einem tiefen inneren Frieden, einem Gefühl, das bis in den wachen Alltag hinein weiterschwingt und oft tagelang anhält.

Ich begleite sie zu ihrem Haus am Rheinsprung. In der physischen Wirklichkeit steht an dieser Stelle das ehemalige Gebäude der Universität Basel, in dem jetzt die Zoologische Anstalt untergebracht ist. Dieser Sachverhalt ist mir im Traum bekannt. Da ich in der Stadt noch irgendwelche Besorgungen zu machen habe, verabschiede ich mich und gehe. Nach einer unbestimmten Zeitspanne erhalte ich die Nachricht, daß die junge Frau gestorben sei. Eine Traurigkeit, wie ich sie noch niemals erlebt habe, überkommt mich. In tiefster Beklemmung eile ich zurück zum Haus, renne die Treppen hinunter und betrete das Schlafzimmer. Doch die Leiche der jungen Frau ist nirgends zu finden. Auf dem Bett sitzt nur eine mir nicht bekannte Frau mittleren Alters, die still vor sich hin weint. Ich trete zu der Unbekannten hin und versuche sie zu trösten, was mir aber nicht gelingt, da ich selber zu erschüttert bin.

Ohne Übergang wache ich im Bett auf. Die gleichen schmerzvollen Gefühle dauern mit unverminderter Heftigkeit an. Verwirrt und beunruhigt, versuche ich den Traum zu deuten; aber der Versuch beeinflußt meine Stimmung in keiner Weise. Der Zusammenhang zwischen dem Ort des Geschehens, dem Tod der »Anima« und dem Hinweis auf die Ähnlichkeit mit meiner Frau ist derart offensichtlich, daß es mir nicht gelingt, ihn wegzuinterpretieren.

Der Schock dieses Traumes wirkte wochenlang nach, denn ich empfand den Verlust der Anima als Untergang einer Welt, mit der ich mich seit jeher verbunden gefühlt hatte. Ich konnte wie C.G. Jung die Anima als »meine Seele« und als »Funktion der Beziehung zum Unbewußten« auffassen, die ich nun verloren hatte. Außerdem schrieb C.G. Jung, daß der Individuationsprozeß eine Angelegenheit der zweiten Lebenshälfte sei - aber das wollte ich nicht akzeptieren. Meines Erachtens war es besser, den Weg nach innen und nach außen gleichzeitig zu gehen. Beides ließ sich nach meinen bisherigen Erfahrungen in Einklang bringen. Zugleich wuchs meine Beunruhigung, denn nach dem 7. Februar blieben meine Träume - mit ganz wenigen Ausnahmen - unbefriedigend. Sie waren unangenehm, verworren und absurd und zogen sich irgendwie von mir zurück, als würden sie die Zusammenarbeit verweigern. Etwas Ähnliches ließ sich im Familienleben feststellen, da ich wegen des Studiums dafür nicht mehr genügend Zeit aufbringen konnte. Bald stand ich vor der folgenreichen Entscheidung, entweder die universitären Verpflichtungen zu reduzieren oder langsam die Familie und definitiv die Traumwelt zu verlieren.

In dieser unangenehmen Lage konnte nur die Umstellung der Studienpläne eine befriedigende Lösung ergeben, weshalb ich Psychologie und Philosophie zu studieren begann. Als weitere Maßnahme unterzog ich mich einer Schulanalyse und nahm schließlich das Studium am C.G. Jung-Institut in Zürich auf. Mit der Ausbildung zum Psychotherapeuten wollte ich meine eigenen Vorstellungen mit den gesellschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang bringen, ohne mir dabei das Wohlwollen der Familie und der Professoren zu verscherzen. (Anm.3) Ich stellte die zeitraubenden Vorbereitungen für die mündlichen Abschlußprüfungen in Chemie und Physik zurück und verzichtete zudem auf den Status eines Doktoranden, welchen Maßnahmen ich bloß einen provisorischen Charakter zubilligte. Aber ich täuschte mich selbst. Es dauerte lange, bis ich einzusehen vermochte, daß die Anerkennung der Außerkörperlichkeit als Wirklichkeit zusammen mit dem Verzicht auf deren Erklärung einem Paradigmenwechsel gleichkam. Hier ging es um wesentlich mehr als um das Annehmen des eigenen Schattens, der Anima und ganz allgemein der Traumwelt als symbolische Wirklichkeit. In dem Bereich, der sich mir hier eröffnete, versagte die symbolische Auffassung. Diese Wirklichkeit war existentiell, ich brauchte sie nicht erst zu deuten und damit in eine andere Wirklichkeit zu übersetzen, ich mußte sie nur akzeptieren. Würde ich mir damit den Vorwurf einhandeln, ein Metaphysiker zu sein? Das Schlimmste daran war, daß für mich Dinge erfahrbar wurden, die allgemein als metaphysisch und als transzendent bezeichnet oder bestenfalls als symbolische Wirklichkeit aufgefaßt werden, und daß ich meine Erlebnisse in den Schriften der Mystiker und in den Texten über die Schamanen wiederfand und wiedererkannte a posteriori !

Für mich ist es heute unwesentlich, ob und wie die Außerkörperlichkeit zu beweisen ist, denn Erfahrungstatsache und vor allem Erfahrungsgewißheit genügen mir. Gerade weil die Außerkörperlichkeit für das gängige Paradigma außergewöhnlich ist, sprechen auch erkenntnistheoretische Gründe dafür, von einem objektiven Beweisverfahren vorerst einmal abzusehen.

Zuerst müssen die Bedingungen aufgezeigt werden, die den außerkörperlichen Zustand für viele Menschen zu einem wiederholbaren Ereignis machen. Wird statt dessen an erster Stelle versucht, das Phänomen zu beweisen und zu erklären, dann stehen nur die Mittel eines Paradigmas zur Verfügung, das derartige Erlebnisse nicht »erlaubt«. Entweder muß die Außergewöhnlichkeit betont werden, oder man sieht sich gezwungen, das Erlebnis systemkonform zu interpretieren. Der Seltenheitscharakter der Außerkörperlichkeit aber verleitet dann zu Fehlschlüssen, wenn die Häufigkeit schon als feststehende Tatsache betrachtet wird, bevor nach den Voraussetzungen gefragt wird, die eine Herbeiführung des Ereignisses erst ermöglichen. Auch die für die außerkörperliche Erfahrung verwendete Bezeichnung »Traum« ist wenig dazu geeignet, das Phänomen als nichtreduzierbare Wirklichkeit zu begreifen. (Anm. 4)

Wer sich primär bei der Außerkörperlichkeit um Statistik, Beweise und Erklärungen kümmert und objektive Überprüfbarkeit fordert, benutzt ein Netz mit zu großer Maschenweite. Durch die Löcher schlüpfen sowohl die eigenen wie auch die Erfahrungen der Versuchspersonen - der Ertrag ist gleich Null. Ich frage mich ganz einfach: Was geschieht, wenn ich auf dieses Netz verzichte? Das Ich-Bewußtsein kann rund um die Uhr in seiner Kontinuität beibehalten werden - egal ob der Körper schläft. Es wäre möglich, die Diskussion vorläufig darauf zu beschränken, weil dies erlebbar und kommunizierbar ist. Ich habe es versucht und dabei zuerst etwas lernen müssen, was ich meinte vernachlässigen zu dürfen: Der Alltag muß in Ordnung sein, wenn ich - bei vollem Bewußtsein - über den Zaun in die Wildnis hinausfliegen will. (Anm.5)

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Anmerkungen

Anm 1: Für diesen Seinszustand bzw. Erfahrungsbereich gibt es Dutzende von Bezeichnungen, die alle den Nachteil haben, daß sie keinen Unterschied zwischen dem Gesamtkorpus von Bewußtseinsinhalten und der Kontinuität des Ichs machen oder ihn - wie im Fall der aus dem östlichen Gedankengut übernommenen Ausdrücke - nicht problematisieren:
Synonyme (keywords)
AKE (Außerkörperliche Erfahrung), altered states of consciousness, âme vitale, anthropos pneumatikos, astral double, astrale Elevation, Astralexistenz, Astralexkursion, Astralkörper, Astralprojektion, Astralwanderung, Ätherkörper, Auferstehung, Auferstehungskörper, Aura, außerhalb-des-Körpers-sein, Außerkörperlichkeit, Ba, Bardo-Körper, being "out" , Bilokation, body of electricity, body of formative forces, corpus subtile, Diamantkörper, disembodiment, dissociate, Doppelgänger, dormiens vigila (Alchemie), double, ecsomatic experience, Eidolon, Ekstasis, electromagnetic body, élévation astrale, energy body, Entrückung des Geistes, ESP- Projection, etheric body, etheric double, etheric projection , Exkursion, exsomatisch, Exteriorisation , Externalization, fântomes des vivants, feinstofflicher Körper, Fliegen, fließender Körper, flimmender Körper, flying (floating, soaring, jumping, etc.), four- dimensional body, Geistkörper, Geistreise, health body, Hellschlaf, Hexenausfahrt, Himmelfahrt, Himmelsreise, human double, KA, Kama Rupa, kesdjun body, Klartraum, Kosha- Zustand, Larva, leaving the body, Leuchtkörper, Levitation, Lichtkörper, Linga Shirira, lucid dream , Mantelfahrt, Mentalkörper, mystischer Tod, Nachtfahrt, Nervengeist, Oszillation, out-of-body experience (OOBE and OBE) , parasomatic body, Phantasms of the living, Phantom, Phönix, Plasmamasse, Pneuma, Pranamayakosha, psychic navigation , psychic travel, remote viewing , scheinender Körper, Scintilla, Seelenausfahrt (Seelenfahrt, Seelenflug), Separatio, slipping out (walking out, vibrating out) , somatic double, Somnambulismus, soul body (soul travel), spirit body (spirit travel), spiritual body (spiritual travel), Statuvolismus, strahlender Körper, Theta-Aspekt, traveling clairvoyance, traveling telepathy , vehicle of cosmic vitality, vehicle of vitality, Verdoppelung, vital body, Wunschkörper, Yid Lus, Zwilling usw.
Es würde eine eingehende Untersuchung bedingen, den Zusammenhang zwischen der Verwendung der verschiedenen Bezeichnungen und der Theorie, in deren Rahmen sie gebraucht werden, aufzuzeigen.
Die »neurophysiologische Deutung der Hypnose als teilweises Wachsein und teilweisen Schlaf, wie dies zunächst von O.VOGT, dann gründlicher PAWLOW dargelegt hat« (Völgyesi (1963:227) gehört ebenfalls hierher. In meiner Arbeit habe ich die Ich-Kontinuität (das sogenannte »teilweise Wachsein«) in den Mittelpunkt der Fragestellung gerückt, wodurch sich eine andere Ausgangslage ergibt. Fahnestock hat schon 1871 darauf hingewiesen, wie stark die Glaubensvorstellungen die Phänomene des Somnambulismus beeinflussen - erkenntnistheoretisch ist sein Ansatz bemerkenswert. Er erkannte die Möglichkeiten des vigilen somnambulischen Zustandes und des partiellen Somnambulismus (schmerzloses Gebären, Schmerzbefreiung, positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes), ferner die Ideoplastie-Problematik und die Fähigkeit zur außersinnlichen Wahrnehmung.
Ich benutze die Bezeichnung »Außerkörperlichkeit« hier in ihrer engeren Bedeutung, d.h. im Sinne eines Seins, das nicht mit dem Gesamtcorpus der physisch-materiellen Vorstellungen des Alltags identisch ist. Die Art, wie ich das Wort verwende, wird zeigen, welche Bedeutung es für mich besitzt und in welchen theoretischen Rahmen es einzuordnen ist.
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Anm 2: Vor allem bei den ersten außerkörperlichen Erlebnissen ist es beinahe unmöglich, von der Ich-Identität und den Wahrnehmungen her einen Unterschied zum innerkörperlichen Zustand auszumachen. Das führt zu interessanten theoretischen Implikationen, die es u.a. ermöglichen, die Schlaflosigkeit anders zu verstehen, nämlich als partielle Ablösung. Dieser Umstand erfordert in der Praxis neben der Kontrolle des Ich-Bewußtseins auch eine Kontrolle des Zustandes. (Vgl. Lischka 1979:75-77, 200-203, 225-227 Vgl. auch 'Quellen der Nacht' 1. Kapitel / Teil 2: Zustandskontrolle und Bewußtseinskontrolle - Hua t'ou und I Ch'ing.
Anm.2 Ende - zurück zum Text

Anm 3: Erdheim, Nadig 1979:115 formulieren das so: "Eine Karriere in diesem Rahmen ließ hoffen, die eigene Subjektivität nicht verleugnen zu müssen und die fortschreitende Teilhabe an den Privilegien der herrschenden Klasse mit einem emanzipatorischen Anspruch verbinden zu können."
Anm.3 Ende - zurück zum Text

Anm 4: Hans Dieckmann schreibt 1979 in Methoden der analytischen Psychologie unter Auslassung jeglicher theoretischen Reflexion: "Kein Mensch hat bisher darüber geschrieben, wie häufig eigentlich derartige Träume sind und bei welchen Personen oder Krankheitserscheinungen sie vorzukommen pflegen. In meinem Material von über 50'000 Patiententräumen, aus der Kenntnis meiner eigenen Träume und vielen Umfragen bei anderen Kollegen muß ich feststellen, daß derartige Träume einen außerordentlichen Seltenheitscharakter haben. Sie tauchen aber in der Literatur öfter auf, vielleicht gerade weil sie so beeindruckend sind" (162). Die Art der Fragestellung ist vor allem für diese Seltenheit verantwortlich, während die Bezeichnung "Traum" so oder so bereits eine Theorie impliziert, die nur die Beobachtung von Träumen erlaubt. Und schließlich wäre auch ein kaum mehr zu beseitigendes Vorurteil aufzugeben: Daß nämlich im Schlafzustand immer eine "Auflockerung der Ich-Grenzen stattfindet und das Traum-Ich nicht über die Stabilität und Koordination des bewußten Ichs verfügt" (Dieckmann 1979:163).
Anm.4 Ende - zurück zum Text

Anm 5: "We leave the Old World, cross a dividing ozean, and find ourselves in the world of the personal subconscious, with its flora and fauna of repressions, conflicts, traumatic memories and the like. Traveling further, we reach a kind of Far West, inhabited by Jungian archetypes and the raw materials of human mythology. Beyond this region lies a broad Pacific" (Huxley (1955) 1980:62). Und ich flog über diesen Pazifik und landete auf seinen Inseln und sprach mit den Bewohnern, allerdings ohne den Gebrauch von Drogen. Die normalen und luziden Träume hatten mich nämlich davor gewarnt - und ich akzeptierte diese Warnung, obwohl ich mich während dreier Jahre auf die Einnahme von LSD vorbereitet hatte. Den für den Drogenverzicht ausschlaggebenden luziden Traum habe ich im Nachwort zu Lischka 1979: 210-212 beschrieben.
Anm.5 Ende - zurück zum Text


Literaturverzeichnis

Dieckmann, Hans: Methoden der analytischen Psychologie. Olten 1979.
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Erdheim, Mario, Maya Nadig: «Größenphantasien und sozialer Tod» in: Kursbuch 58/1979:115-126.
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Fahnestock, William Baker: Statuvolism or Artificial Somnambulism, hitherto called Mesmerism or Animal Magnetism. Chicago 1871.
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Huxley, Aldous: Mescaline and the "Other World". 1955. In: Moksha. Writings on Psychedelies and the Visionary Experience 1931-1963. London 1980:61-66.
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Lischka, Alfred: Erlebnisse jenseits der Schwelle. Paranormale Erfahrungen im Wachzustand und im luziden Traum, bei Astralprojektionen und auf Seelenreisen. Bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Werner Zurfluh. Schwarzenburg: Ansata 1979.
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Tart, Charles T. ed.: Altered States of Consciousness. A Book of Readings. New York 1969.
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Völgyesi, Franz Andreas: Menschen- und Tierhypnose. 2.Aufl, unter Mitwirkung des Verfassers neu bearbeitet von Gerhard Klumbies. Zürich 1963.
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