Außerkörperlich durch die Löcher des Netzes fliegen 1. Kapitel Werner Zurfluh Erstmals veröffentlicht in: Der Wissenschaftler und das Irrationale - Bd. 1: Beiträge aus Ethnologie und Anthropologie, Hg. Hans Peter Duerr, Frankfurt a.M.: Syndikat, 1981:473-504. 2.Aufl. 1996 im HTML-Format, teilweise ergänzt. |
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1. Kapitel: Sprachgewohnheiten, Verhaltensweisen und systemimmanente Sachzwänge |
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Beim
Einschlafen geht das normale Bewußtsein verloren, und erst beim Aufwachen
kehrt es wieder zurück - der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes. Im
Traum weiß man nicht, wer man ist, denn das Traum-Ich hat ein anderes
Bewußtsein und eine andere Identität als das Alltags-Ich. Das ist so
selbstverständlich, daß eine Problematisierung unnötig scheint.
Sobald man in einem Traum merkt, daß man träumt, erwacht man
gleichzeitig. Da der Zustand des Ich-Bewußtseins mit dem des Körpers
gleichgesetzt wird, ist es unmöglich, wachend zu schlafen und bei vollem
Bewußtsein zu träumen. So etwas würde den Gewohnheiten des
Sprachgebrauchs und dem normalen Verhalten widersprechen. Aber ich habe mich
nicht an diese allgemeinen Gepflogenheiten gehalten und sah mich deshalb mit
manchem konfrontiert, das ich sonst wohl kaum je beachtet hätte
Schon
als Kind und als Jugendlicher konnte ich mich meistens am Morgen an einen Traum
erinnern, aber ich achtete nicht besonders darauf. Nur einige wenige, als Schlüßelerlebnisse
zu bezeichnende Träume schrieb ich auf. Mit ihnen beschäftigte ich
mich sehr intensiv. Stets hatte ich wie selbstverständlich das Bedürfnis
gehabt, zumindest nebenher auf die Traumwelt zu achten. Den Grund hierfür
kann ich nicht angeben, denn die ersten diesbezüglichen Erinnerungen
verlieren sich im Dunkel der frühen Kindheit - damals waren die Welten noch
nicht fein säuberlich getrennt. Und von allem Anfang an war ich nicht
bereit, die eine Welt zugunsten der anderen aufzugeben. Die Möglichkeit in
beiden Welten leben zu können - gleichzeitig oder abwechslungsweise -,
befriedigte mich mehr.
In der Pubertätszeit
machte ich spontan die ersten außerkörperlichen Erfahrungen. Es war
mir zu Beginn unmöglich, während dieses ungewöhnlichen Zustandes
- vom Ich-Bewußtsein (der Bewußtheit) und dem Gefühl der
Ich-Identität aus gesehen - den geringsten Unterschied zum Wachbewußtsein
festzustellen. Sogar die Körperempfindungen waren wie gewohnt. Zuerst
glaubte ich, mitten in der Nacht aufgestanden zu sein, wobei ich mich aber überhaupt
nicht müde fühlte, sondern eher ausgeruht und erfrischt. Irgendwie
kam mir das sehr merkwürdig vor, denn normalerweise verspürte ich eine
bleierne Müdigkeit, wenn ich einmal mitten in der Nacht aufstehen mußte.
Deshalb blieb ich mißtrauisch und handelte mit größter Zurückhaltung
und Vorsicht. Der für mich ungewöhnliche Zustand dauerte jeweils nur
wenige Sekunden und wiederholte sich oft mehrere Male. Ich stand normal auf und
ging einige Schritte im Zimmer umher. Plötzlich lag ich wieder im Bett.
Die Schnelligkeit der Rückkehr war mir vorerst unerklärlich. Ich
erhob mich von neuem, ging umher und schnellte wieder zurück. Die
Wiederholungen ermöglichten es mir, das Geschehen genauer zu beobachten,
bis ich versuchsweise den Schluß zu ziehen vermochte, daß ich einen
Zweitkörper besitzen mußte. Dieser Zweitkörper war empfindungsmäßig
mit dem physischen Körper völlig identisch!
Diese Betrachtungsweise entsprach am besten der gegebenen Situation.
Ich ängstigte mich wohl deshalb nicht, weil ich sofort erkannte, daß
damit endlich eine Möglichkeit gegeben war, auch des Nachts frei zu
agieren und Entdeckungen zu machen. Nie kam mir der Gedanke, daß dies
paranormal sein könnte. In naiver Unvoreingenommenheit nahm ich im
Gegenteil an, daß es ein ganz normaler Zustand sei - sonst wäre darüber
geredet worden. Ich ahnte nicht, wie weit meine Erlebnisse von der praktischen
und theoretischen Normalität entfernt waren, und wußte nun, daß
auch außerhalb des Zustandes des körperlichen Wachseins alle
emotionalen Reaktionsweisen und das gesamte Instrumentarium der kognitiven
Funktionen erhalten bleiben können.
Das
Wahrnehmungsvermögen, die Gedächtnisleistungen, die Lernfähigkeit,
der Denkstil, die Vorstellungs- und Urteilsfähigkeit sowie die
Beherrschung der Sprache bleiben nicht nur erhalten, sondern sind unter Umständen
erheblich gesteigert. Ich bin mir meines Zustandes bewußt und erkenne die
Umwelt als nichtalltäglich und eigenen Gesetzen unterworfen. Diesen
Zustand bezeichne ich mit dem Wort »Außerkörperlichkeit«.
Außerkörperlichkeit (Anm.1) ist jener
Seinszustand, in dem Erfahrungen gemacht werden, die nicht vom Wachzustand
des physischen Körpers begleitet sind. Das Ich verfügt dabei über
alle emotionalen und kognitiven Funktionen, über die normale Stabilität
und Koordination. Der Zustand des physischen Körpers wird klar erkannt.
Das ist für mich wie für viele andere eine
Erfahrungstatsache, die sich sprachlich am besten mit dem Wort »außerkörperlich«
bezeichnen läßt, weil damit der gefühlsmäßige
Eindruck situationsgerecht ausgedrückt wird: das Ich hat seinen Körper
verlassen. Dabei kommt es gewissermaßen zu einer räumlichen
Verschiebung des Ich-Bewußtseins.
Die Tatsache, daß sich bewußtseinsmäßig
keinerlei Unterschied zwischen innerkörperlichem und außerkörperlichem
Zustand ausmachen ließ, zwang mich zu größter Vorsicht.
(Anm.2)
Ich wollte unter keinen Umständen schwer verunfallen - nur weil ich mich
nicht vergewissert hatte, in welchem Körper ich mich aufhielt. Also
entwickelte ich die »Zustandskontrolle«. Eine Zufallsentdeckung hatte
mich darauf gebracht: Mit dem Zweitkörper ließen sich feste Gegenstände
durchdringen - jedenfalls erlebte ich es so. Diese Eigenschaft benutzte ich, um
vollständige Gewißheit zu erlangen, außerhalb des schlafenden
Körpers zu sein.
Der außerkörperliche
Erfahrungsbereich erweiterte sich kontinuierlich und entwickelte sich gefühlsmäßig
befriedigend. Je größer aber die schulische Belastung durch die näherrückenden
Maturitätsprüfungen wurde, desto seltener »löste« ich
mich vom Körper ab. Es gelang mir jetzt auch immer weniger, die Kontinuität
des Ich-Bewußtseins während des außerkörperlichen
Zustandes über eine längere Zeitspanne hinweg aufrechtzuerhalten.
Immer schneller fiel ich in einen gewöhnlichen Traumzustand hinein, in dem
keine Kontrolle des Geschehens und der eigenen Handlungen mehr möglich
war. Daß ein direkter Zusammenhang mit den schulischen Belastungen
bestehen könnte, erkannte ich damals nicht. Zwar mißfiel mir diese
Entwicklung, aber ich wollte der Wende keine besondere Bedeutung zumessen, da
sie möglicherweise einer notwendigen Entwicklung entsprach.
Im Jahre 1965 begann ich das Studium der Naturwissenschaften. Es
schien mir wesentlich, exakte Grundlagen und saubere experimentelle
Arbeitsmethoden kennenzulernen. Ich nahm mir vor, nach dem Doktorat in Biologie
ein Zweitstudium geisteswissenschaftlicher Richtung aufzunehmen. In den ersten
Semestern belegte ich Zoologie im Hauptfach und als Nebenfächer Botanik,
Chemie und Physik. Nebenher fand ich noch genügend Zeit, anderes zu tun -
und mich mit den Träumen zu beschäftigen. Obwohl außerkörperliche
Erlebnisse ziemlich selten blieben, waren die Träume doch sehr friedlich
und befriedigend. Die Belastungen an der Universität begannen bald größer
zu werden, denn es galt für die Zwischenprüfungen zu lernen und das
erste Nebenfach Botanik zu absolvieren. Die Prüfungen verliefen mehr oder
weniger zu meiner Zufriedenheit, obwohl innerlich meine Unruhe wuchs. Aber in
der Nacht auf den 7. Februar 1968 erlebte ich folgenden »Traum« :
.
Ich bin mit meiner »Anima« zusammen. So nenne ich eine in meinen Träumen immer wiederkehrende junge Frau mit meist blonden Haaren, die sehr hübsch ist und meiner Frau gleicht. Es erstaunt mich, daß zwischen uns ein derart harmonisches Einvernehmen besteht, denn ich erinnere mich, bei C. G. Jung gelesen zu haben, daß dies üblicherweise nicht der Fall sei. Wie in vielen anderen Träumen - an die ich mich jetzt (im Traum!) durchaus erinnern kann - bin ich erfüllt von einem tiefen inneren Frieden, einem Gefühl, das bis in den wachen Alltag hinein weiterschwingt und oft tagelang anhält.
Ich begleite sie zu ihrem Haus am Rheinsprung. In der physischen Wirklichkeit steht an dieser Stelle das ehemalige Gebäude der Universität Basel, in dem jetzt die Zoologische Anstalt untergebracht ist. Dieser Sachverhalt ist mir im Traum bekannt. Da ich in der Stadt noch irgendwelche Besorgungen zu machen habe, verabschiede ich mich und gehe. Nach einer unbestimmten Zeitspanne erhalte ich die Nachricht, daß die junge Frau gestorben sei. Eine Traurigkeit, wie ich sie noch niemals erlebt habe, überkommt mich. In tiefster Beklemmung eile ich zurück zum Haus, renne die Treppen hinunter und betrete das Schlafzimmer. Doch die Leiche der jungen Frau ist nirgends zu finden. Auf dem Bett sitzt nur eine mir nicht bekannte Frau mittleren Alters, die still vor sich hin weint. Ich trete zu der Unbekannten hin und versuche sie zu trösten, was mir aber nicht gelingt, da ich selber zu erschüttert bin.
Ohne Übergang wache ich im Bett auf. Die gleichen schmerzvollen Gefühle dauern mit unverminderter Heftigkeit an. Verwirrt und beunruhigt, versuche ich den Traum zu deuten; aber der Versuch beeinflußt meine Stimmung in keiner Weise. Der Zusammenhang zwischen dem Ort des Geschehens, dem Tod der »Anima« und dem Hinweis auf die Ähnlichkeit mit meiner Frau ist derart offensichtlich, daß es mir nicht gelingt, ihn wegzuinterpretieren.
Der Schock dieses Traumes
wirkte wochenlang nach, denn ich empfand den Verlust der Anima als Untergang
einer Welt, mit der ich mich seit jeher verbunden gefühlt hatte. Ich konnte
wie C.G. Jung die Anima als »meine Seele« und als »Funktion der
Beziehung zum Unbewußten« auffassen, die ich nun verloren hatte. Außerdem
schrieb C.G. Jung, daß der Individuationsprozeß eine Angelegenheit
der zweiten Lebenshälfte sei - aber das wollte ich nicht akzeptieren.
Meines Erachtens war es besser, den Weg nach innen und nach außen
gleichzeitig zu gehen. Beides ließ sich nach meinen bisherigen Erfahrungen
in Einklang bringen. Zugleich wuchs meine Beunruhigung, denn nach dem 7.
Februar blieben meine Träume - mit ganz wenigen Ausnahmen -
unbefriedigend. Sie waren unangenehm, verworren und absurd und zogen sich
irgendwie von mir zurück, als würden sie die Zusammenarbeit
verweigern. Etwas Ähnliches ließ sich im Familienleben feststellen,
da ich wegen des Studiums dafür nicht mehr genügend Zeit aufbringen
konnte. Bald stand ich vor der folgenreichen Entscheidung, entweder die
universitären Verpflichtungen zu reduzieren oder langsam die Familie und
definitiv die Traumwelt zu verlieren.
In dieser unangenehmen Lage konnte nur die Umstellung der
Studienpläne eine befriedigende Lösung ergeben, weshalb ich
Psychologie und Philosophie zu studieren begann. Als weitere Maßnahme
unterzog ich mich einer Schulanalyse und nahm schließlich das Studium am
C.G. Jung-Institut in Zürich auf. Mit der Ausbildung zum Psychotherapeuten
wollte ich meine eigenen Vorstellungen mit den gesellschaftlichen
Notwendigkeiten in Einklang bringen, ohne mir dabei das Wohlwollen der Familie
und der Professoren zu verscherzen. (Anm.3)
Ich stellte die zeitraubenden Vorbereitungen für die
mündlichen Abschlußprüfungen in Chemie und Physik zurück
und verzichtete zudem auf den Status eines Doktoranden, welchen Maßnahmen
ich bloß einen provisorischen Charakter zubilligte. Aber ich täuschte
mich selbst. Es dauerte lange, bis ich einzusehen vermochte, daß die
Anerkennung der Außerkörperlichkeit als Wirklichkeit zusammen mit
dem Verzicht auf deren Erklärung einem Paradigmenwechsel
gleichkam. Hier ging es um wesentlich mehr als um das Annehmen des eigenen
Schattens, der Anima und ganz allgemein der Traumwelt als symbolische
Wirklichkeit. In dem Bereich, der sich mir hier eröffnete, versagte die
symbolische Auffassung. Diese Wirklichkeit war existentiell, ich brauchte sie
nicht erst zu deuten und damit in eine andere Wirklichkeit zu übersetzen,
ich mußte sie nur akzeptieren. Würde ich mir damit den Vorwurf
einhandeln, ein Metaphysiker zu sein? Das Schlimmste daran war, daß für
mich Dinge erfahrbar wurden, die allgemein als metaphysisch und als
transzendent bezeichnet oder bestenfalls als symbolische Wirklichkeit aufgefaßt
werden, und daß ich meine Erlebnisse in den Schriften der Mystiker und in
den Texten über die Schamanen wiederfand und wiedererkannte a posteriori !
Für mich ist es heute unwesentlich, ob und
wie die Außerkörperlichkeit zu beweisen ist, denn Erfahrungstatsache
und vor allem Erfahrungsgewißheit genügen mir. Gerade weil die Außerkörperlichkeit
für das gängige Paradigma außergewöhnlich ist, sprechen
auch erkenntnistheoretische Gründe dafür, von einem objektiven
Beweisverfahren vorerst einmal abzusehen.
Zuerst müssen die Bedingungen
aufgezeigt werden, die den außerkörperlichen Zustand für viele
Menschen zu einem wiederholbaren Ereignis machen. Wird statt dessen an erster
Stelle versucht, das Phänomen zu beweisen und zu erklären, dann stehen
nur die Mittel eines Paradigmas zur Verfügung, das derartige Erlebnisse
nicht »erlaubt«. Entweder muß die Außergewöhnlichkeit
betont werden, oder man sieht sich gezwungen, das Erlebnis systemkonform zu
interpretieren. Der Seltenheitscharakter der Außerkörperlichkeit
aber verleitet dann zu Fehlschlüssen, wenn die Häufigkeit schon als
feststehende Tatsache betrachtet wird, bevor nach den
Voraussetzungen gefragt wird, die eine Herbeiführung des
Ereignisses erst ermöglichen. Auch die für die außerkörperliche
Erfahrung verwendete Bezeichnung »Traum« ist
wenig dazu geeignet, das Phänomen als nichtreduzierbare Wirklichkeit zu
begreifen. (Anm. 4)
Wer sich primär bei der Außerkörperlichkeit um Statistik,
Beweise und Erklärungen kümmert und objektive Überprüfbarkeit
fordert, benutzt ein Netz mit zu großer Maschenweite. Durch die Löcher
schlüpfen sowohl die eigenen wie auch die Erfahrungen der Versuchspersonen
- der Ertrag ist gleich Null. Ich frage mich ganz einfach: Was geschieht, wenn
ich auf dieses Netz verzichte? Das Ich-Bewußtsein kann rund um die Uhr in
seiner Kontinuität beibehalten werden - egal ob der Körper schläft.
Es wäre möglich, die Diskussion vorläufig darauf zu beschränken,
weil dies erlebbar und kommunizierbar ist. Ich
habe es versucht und dabei zuerst etwas lernen müssen, was ich meinte
vernachlässigen zu dürfen: Der Alltag muß in Ordnung sein, wenn
ich - bei vollem Bewußtsein - über den Zaun in die Wildnis
hinausfliegen will. (Anm.5)
Anmerkungen
Anm 1: Für diesen Seinszustand bzw. Erfahrungsbereich gibt es
Dutzende von Bezeichnungen, die alle den Nachteil haben, daß sie keinen
Unterschied zwischen dem Gesamtkorpus von Bewußtseinsinhalten und der
Kontinuität des Ichs machen oder ihn - wie im Fall der aus dem östlichen
Gedankengut übernommenen Ausdrücke - nicht problematisieren:
Synonyme (keywords)
AKE (Außerkörperliche Erfahrung),
altered states of consciousness, âme vitale,
anthropos pneumatikos, astral double, astrale Elevation, Astralexistenz,
Astralexkursion, Astralkörper, Astralprojektion, Astralwanderung, Ätherkörper,
Auferstehung, Auferstehungskörper, Aura, außerhalb-des-Körpers-sein,
Außerkörperlichkeit, Ba, Bardo-Körper, being "out" ,
Bilokation, body of electricity, body of formative forces, corpus subtile,
Diamantkörper, disembodiment, dissociate, Doppelgänger, dormiens
vigila (Alchemie), double, ecsomatic experience, Eidolon, Ekstasis,
electromagnetic body, élévation astrale, energy body, Entrückung
des Geistes, ESP- Projection, etheric body, etheric double, etheric projection ,
Exkursion, exsomatisch, Exteriorisation , Externalization, fântomes des
vivants, feinstofflicher Körper, Fliegen, fließender Körper,
flimmender Körper, flying (floating, soaring, jumping, etc.), four-
dimensional body, Geistkörper, Geistreise, health body, Hellschlaf,
Hexenausfahrt, Himmelfahrt, Himmelsreise, human double, KA, Kama Rupa, kesdjun
body, Klartraum, Kosha- Zustand, Larva, leaving the body, Leuchtkörper,
Levitation, Lichtkörper, Linga Shirira, lucid dream , Mantelfahrt, Mentalkörper,
mystischer Tod, Nachtfahrt, Nervengeist, Oszillation, out-of-body experience
(OOBE and OBE) , parasomatic body, Phantasms of the living, Phantom, Phönix,
Plasmamasse, Pneuma, Pranamayakosha, psychic navigation , psychic travel,
remote viewing , scheinender Körper, Scintilla, Seelenausfahrt
(Seelenfahrt, Seelenflug), Separatio, slipping out (walking out, vibrating out)
, somatic double, Somnambulismus, soul body (soul travel), spirit body (spirit
travel), spiritual body (spiritual travel), Statuvolismus, strahlender Körper, Theta-Aspekt,
traveling clairvoyance, traveling telepathy , vehicle of cosmic vitality,
vehicle of vitality, Verdoppelung, vital body, Wunschkörper, Yid Lus,
Zwilling usw.
Es würde eine eingehende Untersuchung bedingen, den
Zusammenhang zwischen der Verwendung der verschiedenen Bezeichnungen und der
Theorie, in deren Rahmen sie gebraucht werden, aufzuzeigen.
Die »neurophysiologische Deutung der Hypnose als teilweises
Wachsein und teilweisen Schlaf, wie dies zunächst von O.VOGT, dann gründlicher
PAWLOW dargelegt hat« (Völgyesi (1963:227) gehört
ebenfalls hierher. In meiner Arbeit habe ich die Ich-Kontinuität (das
sogenannte »teilweise Wachsein«) in den Mittelpunkt der Fragestellung
gerückt, wodurch sich eine andere Ausgangslage ergibt. Fahnestock hat
schon 1871 darauf hingewiesen, wie stark die Glaubensvorstellungen die Phänomene
des Somnambulismus beeinflussen - erkenntnistheoretisch ist sein Ansatz
bemerkenswert. Er erkannte die Möglichkeiten des vigilen somnambulischen
Zustandes und des partiellen Somnambulismus (schmerzloses Gebären,
Schmerzbefreiung, positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes), ferner die
Ideoplastie-Problematik und die Fähigkeit zur außersinnlichen
Wahrnehmung.
Ich benutze die Bezeichnung »Außerkörperlichkeit«
hier in ihrer engeren Bedeutung, d.h. im Sinne eines Seins, das nicht mit dem
Gesamtcorpus der physisch-materiellen Vorstellungen des Alltags identisch ist.
Die Art, wie ich das Wort verwende, wird zeigen, welche Bedeutung es für
mich besitzt und in welchen theoretischen Rahmen es einzuordnen ist.
Anm.1 Ende - zurück zum Text
Anm 2: Vor allem bei den ersten außerkörperlichen
Erlebnissen ist es beinahe unmöglich, von der Ich-Identität und den
Wahrnehmungen her einen Unterschied zum innerkörperlichen Zustand
auszumachen. Das führt zu interessanten theoretischen Implikationen, die es
u.a. ermöglichen, die Schlaflosigkeit anders zu verstehen, nämlich als
partielle Ablösung. Dieser Umstand erfordert in der Praxis neben der
Kontrolle des Ich-Bewußtseins auch eine Kontrolle des Zustandes. (Vgl. Lischka 1979:75-77, 200-203, 225-227 Vgl. auch
'Quellen der Nacht' 1. Kapitel / Teil 2:
Zustandskontrolle und Bewußtseinskontrolle
- Hua t'ou und I Ch'ing.
Anm.2 Ende - zurück zum Text
Anm 3: Erdheim, Nadig 1979:115 formulieren das
so: "Eine Karriere in diesem Rahmen ließ hoffen, die eigene
Subjektivität nicht verleugnen zu müssen und die fortschreitende
Teilhabe an den Privilegien der herrschenden Klasse mit einem emanzipatorischen
Anspruch verbinden zu können."
Anm.3 Ende - zurück zum Text
Anm 4: Hans Dieckmann schreibt 1979 in Methoden der analytischen
Psychologie unter Auslassung jeglicher theoretischen Reflexion: "Kein
Mensch hat bisher darüber geschrieben, wie häufig eigentlich derartige
Träume sind und bei welchen Personen oder Krankheitserscheinungen sie
vorzukommen pflegen. In meinem Material von über 50'000 Patiententräumen,
aus der Kenntnis meiner eigenen Träume und vielen Umfragen bei anderen
Kollegen muß ich feststellen, daß derartige Träume einen außerordentlichen
Seltenheitscharakter haben. Sie tauchen aber in der Literatur öfter auf,
vielleicht gerade weil sie so beeindruckend sind" (162). Die Art der
Fragestellung ist vor allem für diese Seltenheit verantwortlich, während
die Bezeichnung "Traum" so oder so bereits eine Theorie impliziert,
die nur die Beobachtung von Träumen erlaubt. Und schließlich wäre
auch ein kaum mehr zu beseitigendes Vorurteil aufzugeben: Daß nämlich
im Schlafzustand immer eine "Auflockerung der Ich-Grenzen stattfindet und
das Traum-Ich nicht über die Stabilität und Koordination des bewußten
Ichs verfügt" (Dieckmann 1979:163).
Anm.4 Ende - zurück zum Text
Anm 5: "We leave the Old World, cross a dividing ozean, and find
ourselves in the world of the personal subconscious, with its flora and fauna of
repressions, conflicts, traumatic memories and the like. Traveling further, we
reach a kind of Far West, inhabited by Jungian archetypes and the raw materials
of human mythology. Beyond this region lies a broad Pacific" (Huxley (1955) 1980:62). Und ich flog über diesen
Pazifik und landete auf seinen Inseln und sprach mit den Bewohnern, allerdings
ohne den Gebrauch von Drogen. Die normalen und luziden Träume hatten mich nämlich
davor gewarnt - und ich akzeptierte diese Warnung, obwohl ich mich während
dreier Jahre auf die Einnahme von LSD vorbereitet hatte. Den für den
Drogenverzicht ausschlaggebenden luziden Traum habe ich im Nachwort zu
Lischka 1979: 210-212 beschrieben.
Anm.5 Ende - zurück zum Text
Literaturverzeichnis
Dieckmann, Hans: Methoden der analytischen Psychologie. Olten
1979.
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Erdheim, Mario, Maya Nadig: «Größenphantasien und
sozialer Tod» in: Kursbuch 58/1979:115-126.
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Fahnestock, William Baker: Statuvolism or Artificial Somnambulism,
hitherto called Mesmerism or Animal Magnetism. Chicago 1871.
zurück zur Anmerkung 1 Synonyme
Huxley, Aldous: Mescaline and the "Other World". 1955.
In: Moksha. Writings on Psychedelies and the Visionary Experience 1931-1963.
London 1980:61-66.
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Lischka, Alfred: Erlebnisse jenseits der Schwelle. Paranormale
Erfahrungen im Wachzustand und im luziden Traum, bei Astralprojektionen und auf
Seelenreisen. Bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Werner Zurfluh.
Schwarzenburg: Ansata 1979.
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Tart, Charles T. ed.: Altered States of Consciousness. A Book of
Readings. New York 1969.
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Völgyesi, Franz Andreas: Menschen- und Tierhypnose. 2.Aufl,
unter Mitwirkung des Verfassers neu bearbeitet von Gerhard Klumbies. Zürich
1963.
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Konvertierung zu HTML März 1996, März 2000
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©Werner
Zurfluh