Außerkörperlich durch die Löcher des Netzes fliegen
6. Kapitel
Werner Zurfluh
Erstmals veröffentlicht in: Der Wissenschaftler und das Irrationale - Bd. 1: Beiträge aus Ethnologie und Anthropologie, Hg. Hans Peter Duerr, Frankfurt a.M.: Syndikat, 1981:473-504. 2.Aufl. 1996 im HTML-Format, teilweise ergänzt.
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6. Kapitel:
Selbstverständlich eine natürliche Möglichkeit


Viele Menschen besitzen die erkenntnistheoretische Einstellung nicht, die für die Außerkörperlichkeit erforderlich wäre - aber Erkenntnistheorie ist etwas, wozu der Mensch besonders befähigt ist - und: "Sehr wahrscheinlich ist die ekstatische Erfahrung in ihren unzähligen Aspekten der menschlichen Natur an sich zugehörig, in dem Sinn, daß sie einen Wesensbestandteil dessen darstellt, was man als Bewußtwerden der spezifisch menschlichen Situation im Kosmos bezeichnet." (Anm.55) Die menschliche Natur ist prinzipiell zur Außerkörperlichkeit befähigt. Aber dafür muß sie jene gesellschaftliche Norm übersteigen, die vorschreibt, was "natürlich" bedeutet. In einem Paradigma, das keine Transzendenzoffenheit erlaubt, wird die menschliche Natur einem Maß unterworfen, das unmenschlich ist. Wenn durch die Anwendung von struktureller Gewalt die Transzendenz verdunkelt und die Ekstase als Flucht vor der Wirklichkeit bezeichnet wird, dann ist das Ende jeglicher evolutiven Entwicklung erreicht und es bleibt nur noch der Fortschritt des "Mehr-Desselben".

Doch jenseits des Gewohnten liegen Erfahrungsbereiche, die den tödlichen Kreis zur Spirale öffnen. Manchmal scheinen sie derart ungewohnt und unglaublich, daß sie falsch eingeschätzt werden. Darüber beklagte sich einmal ein "Teufel" bei einem erkenntnistheoretischen Gespräch, das ich mit ihm im außerkörperlichen Zustand geführt habe.

An dieser Stelle sei - jetzt im Jahre 1996 - nicht von jener Begegnung mit dem sich beklagenden "Teufel" erzählt, sondern von einer anderen Erfahrung mit dem "Teufel". (Vgl. als Kontrast die im Artikel "Gedanken zum Verhältnis des Christentum zu den Märchen und den nächtlichen Erfahrungen" erzählten außerkörperlichen Erlebnisse - Link vgl. Homepage.) Sie zeigt besonders deutlich, wie sich die Auseinandersetzung mit erkenntnistheoretischen Gedanken, d.h. den Bedingungen und Voraussetzungen eines begründeten Wissens, im außerkörperlichen Zustand und damit im Erlebnisbereich der sogenannten Anderwelt auswirkt. Es sei noch angemerkt, daß die angeführten Überlegungen allesamt während der Erfahrung als solcher stattgefunden haben und nicht nachträglich beim Aufschreiben eingefügt wurden. Ich kann natürlich nur aus der Erinnerung schreiben, aber stets schien es mir beim Protokollieren außerordentlich wichtig, mich strikt an das zu halten, woran ich mich tatsächlich habe erinnern können.

In der Literatur über Magie werden oft Techniken der "Körperablösung" beschrieben. Die Erfahrung der Außerkörperlichkeit scheint etwas vom Wesentlichsten aller magischen Bemühungen zu sein. Zum Teil und gerade im Jahre 1978 hatte ich gewisse Techniken - allerdings in abgeänderter und einer mir zusagenden Form - ausprobiert. Bei den Abänderungen handelte es sich stets um einen Einbezug des Hua t'ou und damit des "leichten Zweifels". Es handelt sich bei diesem Zweifel um ein sanftes, aber andauerndes Bezweifeln des Bewußtseinsinhaltes und des Ich-Verständnisses! Das Ich meint nämlich oft, daß ein bestimmter Bewußtseins-Inhalt die Bewußtseinskontinuität ausmache. Aber das ist ein Trugschluß. Das Hua t'ou ist eng mit der Punkt-Meditation verwandt und wurde von Lu K'uan Yü (Anm.56) beschrieben. Diese Meditation kann mit Leichtigkeit vor dem Einschlafen in der Schwammstellung (eine bestimmten Körperhaltung des Hatha-Yoga) durchgeführt werden.

Meine Frau und ich haben am Abend des 21. Septembers 1978 in der Einschlafphase folgendes zu tun versucht:
Ausatmen etwa 20 Sekunden, dann eine Pause von 1O Sekunden. Danach während 15 Sekunden einatmen und wieder eine Pause von 20 Sekunden. Nach einigen Atmungs-Sequenzen kann nach dem Einatmen zusätzlich eine Zwerchfell"atmung" durchgeführt werden, wobei der Atem "in den Bauchraum" gezogen und dann wieder raufgepreßt wird (je 3 mal). Das gelingt mir jedoch nicht! Die Zeitintervalle sind zu lang! Ich weiß, daß es sinnlos und zudem gefährlich wäre, eine Atemübung erzwingen zu wollen. Schließlich trainieren Yogis bestimmte Atemtechniken über Jahre! So gebe ich vernünftigerweise nach einigen vergeblichen "Versuchen" das Vorhaben auf und gehe zum zweiten Punkt über, bei dem die Atmung automatisch geschieht.

Bei diesem zweiten Abschnitt wird eine totale Entspannung herbeigeführt. Mit den Daumen beginne ich, dann werden die Finger entspannt, die Hand, der Unterarm und anschließend der Oberarm. Das geht so weiter, bis der ganze Körper bewußt entspannt ist. Hierbei soll - wie ich gelesen habe - von den kleinen Körperteilen ausgegangen werden.

Nach der Entspannung mache ich wie gewohnt eine Pranalenkung und lasse die "Wärme" beim Einatmen an den betreffenden Ort fließen. Nach der Pranalenkung folgt das eigentliche Hua t'ou, wobei ich jetzt dazu übergehe, nicht mehr einen Satz wie z.B. "Wer löst sich vom Körper ab?" zu wiederholen und mit dem entsprechenden selbstkritischen Zweifel zu bedenken, sondern nur das Wort, das für mich zum Inbegriff aller Körperablösungs"probleme" geworden ist: "KA" (das ist meine Abkürzung für Körper-Ablösung).

Nach einer gewissen Zeit und gleichzeitig mit dem Hua t'ou imaginiere ich die beiden Buchstaben als große feurige Buchstaben: K - A. Langsam lasse ich sie kleiner werden und aus dem "Gesichtsfeld" verschwinden, bis alles völlig leer geworden ist. Hierauf hätte nun die eigentliche Projektion, d.h. der bewußte Austritt aus dem materiellen Körper erfolgen sollen. - Hätte sollen! Wenigstens gemäß den Ausführungen im Buch, das ich gelesen hatte.

Allerdings ist das alles ein rechter Streß! All den Anweisungen des Buches zu folgen, ist mühsam. Ich bemühe mich aber doch, das Programm wenigstens einigermaßen durchzustehen. Praktisch geht es aber schlecht und eigentlich mehr als das: es geht "mies", und es kommt zur Verkrampfung! Diese Technik scheint mir zu aufwendig! Und das alles nur um der "autosuggestiven" Wirkung willen! Bei mir tritt eine solche allein schon bei der Imagination des "KA" ein. Das ist allerdings eine reine Gewohnheitssache, denn schließlich beschäftige ich mich seit Jahren mit den Problemen rund um die Körperablösung!

Ich entspanne mich also, denn die Anstrengungen, diese Technik durchzuführen, haben mich geschafft. Kein Gedanke mehr an eine KA, eine Körperablösung, noch an irgendwas sonst. Damit wird die "KA"- Imagination ausgelöscht. Zwar geschieht dies auf eine eher "dilettantische" Weise und in einem sehr "unvollkommenem" Masse, doch prinzipiell ist dieses Vorgehen wohl richtig. Auch Karlis Osis hat bei einem Gespräch später mal erwähnt, daß nach der bewußten Absicht, eine Körperablösung durchzuführen, eine totale Entspannung kommen sollte.

Schon jetzt sei vorweggenommen, daß meine Anstrengungen mit einem vollen Erfolg gekrönt worden sind. Deswegen bin ich mir sicher, hier auf dem besten Wege zu sein, eine "saubere" und mir angepaßte "Technik" zu entwickeln.

Meine Frau Cathy hatte - wie sie mir am nächsten Morgen erzählte - keinerlei "Erfolg". Sie blockierte sich wohl selbst, indem sie sich darauf einstellte, bereits bei der Übung als solcher eine Körperablösung durchzuführen. Sie vergaß sozusagen, sich nach der Übung bewußt nicht mehr auf die Sache zu konzentrieren. Übrigens hatte ich mit ihr abgemacht, daß wir uns nach der Ablösung im Zimmer beim Tischchen treffen!

Nun das Protokoll der Erfahrung:
.

Ich mache eine Körperablösung, eine KA, und zwar ganz bewußt. Auf welche Weise genau ich austrete, daran kann ich mich jetzt nicht mehr erinnern. Das liegt aber allein daran, daß ich nach der Erfahrung nicht sofort aufgestanden bin und die Sache notiert habe. Deshalb sind viele Details verlorengegangen!

Nach einem kurzem Aufenthalt in der Wohnstube, steige ich wieder bewußt in den im Bett liegenden Körper zurück (re-entry, KA-Rückkehr). Diesen Vorgang wiederhole ich mehrere Male und zwar in der (ausdrücklich gedachten) Absicht, den Aus- und Wiedereintritt zu üben und Fertigkeit darin zu erlangen. Dabei ist mir vor allem die Rückkehr, das re-entry, wichtig, denn bezüglich des bewußten Wiedereinstiegs bin ich je in einem offenkundigen Rückstand. Früher hatte ich nie darauf geachtet, deshalb ist die KA-Rückkehr nun konsequent zu üben.

Mit der Zeit - es werden etwa 10-15 Mal gewesen sein - geht es derart glatt und sauber hin und her, daß ich für heute genug habe und nun eine andere Aufgabe in Angriff zu nehmen gedenke, zumal meine Frau nicht erscheint, d.h. nicht aussteigt.

Es muß allerdings noch eine zweite Person bei mir sein. Allerdings ist sie wegen der Dunkelheit im Wohnschlafzimmer nur schattenhaft zu sehen. Ihre Hilfe nehme ich gerne an, denn diese Person scheint irgendwie meine Versuche zu überwachen. Zudem hilft sie mir, Cathy aus ihrem materiellen Körper herauszuholen. Das gelingt sehr gut.

Cathy ist sich ihres Zustandes ebenso wie ich voll bewußt, d.h. sie weiß, daß sie "ausgestiegen" und nun mit mir zusammen ist. (Sie wird sich allerdings am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern können!) Wir freuen uns sehr, umarmen uns und genießen die in diesem Zustande wesentlich intensiveren Berührungsgefühle und die innige Verbundenheit. Hierbei geht es nicht um Sex, sondern um eine andere Ebene des Kontaktes, welche körperliche Sexualität als völlig belanglos erscheinen läßt.

Der Dritte hält sich zu dieser Zeit diskret im Hintergrund. Mit der Zeit zeigt meine Frau Ermüdungserscheinungen, d.h. sie gerät langsam in ein Abaissement, in einen Schlummer. Sie wird regelrecht "müde", weshalb wir uns darauf einigen, daß sie wieder in ihren im Bett liegenden materiellen Körper zurückkehren und "schlafen" soll, währendem ich für meinen Teil mit der "Person" noch eine längere Reise unternehmen werde.

Ich begleite Cathy liebevoll in "ihr Bett", resp. in ihren Körper zurück, lege sie hinein und gehe dann mit dem Helfer (Psychopompos) aus der Wohnstube, von wo aus wir schnell wegfliegen und dabei gleichzeitig die Ebene wechseln.

Nun befinde ich mich in einer mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannten Welt und zwar in einer Gebirgsgegend mit sehr mächtigen und vollständig bewaldeten Hügeln. Es ist eine Gegend, in der keinerlei menschliche Behausungen oder Wohnstätten anderer Wesen sind. Ein unwahrscheinlich weites und einsames Land in einem ursprünglichem Naturzustand.

Irgendwie ist es dann so, daß mein Begleiter mich alleine läßt. Langsam gehe ich über die grünen, saftigen Wiesen und schaue genau in die Gegend. Die Aussicht ist überwältigend! Rechts geht es in ein mindestens 200 Meter breites Tal hinunter. Die Bergflanke auf der anderen Talseite ist - wie alle anderen Flanken - bewaldet. Der Kamm scheint von meinem Standort aus etwa ein Kilometer Luftlinie weit entfernt zu sein. Weiter vorne und auch seitlich sind weitere derartig "Hügel" zu sehen, die aber weder Hügel noch Berge sind. Hier herrscht ein ganz eigenwilliger und völlig fremdartiger Landschaftstypus vor, wie ich ihn noch nirgendwo sonst gesehen habe. Aus diesem Grunde ist er sehr schwierig zu beschreiben. Es ist ein Gebirge und dennoch keines in der Art, wie ich es kenne. Man könnte sagen, es sind gebirgige Hügel. Das ist aber eine Dimensionsfrage bezüglich des eigentlichen Umfanges dieser Gebilde. Diese Landschaft hat ungeheure Dimensionen und ist in einem Masse "mächtig" in ihrer Eigenheit, daß sie schon beängstigend wirkt. Man sieht es der Landschaft an, daß sie etwas ganz Besonderes darstellt. Hier sind keine Erdbewohner anzutreffen - da sich solche hier einfach nicht aufhalten - höchstens zufälligerweise wie ich. Wahrscheinlich könnte es auch kaum jemanden geben, der sich hier aufzuhalten und hier "bestehen" kann, denn dazu ist - und das spüre ich ganz genau - eine gehörige Portion Erfahrung (in bezug auf die Außerkörperlichkeit und das Reisen in anderweltliche Bereiche) notwendig.

Es ist eine Weltengegend, die alles andere denn "lustig" oder gar "amüsant" ist. In dieser Welt liegt etwas "in der Luft", das erzittern machen könnte. Hier scheint eines der großartigsten und gleichzeitig auch gefährlichsten Geheimnisse verborgen. Es ist eine Welt, die kaum je von einem Menschen, einem "Sterblichen", gesehen worden ist.

Es geht in dieser Welt nicht um irgendwelche Banalitäten, um ein "Sight- Seeing" im außerkörperlichen Zustand, sondern hier herrscht eine existentielle Problematik, die nicht nur die Menschheit betrifft, sondern auch ganz andere Welten umfaßt, die mit der menschlichen Welt direkt nichts zu tun haben. Ich bin also an einer Stelle, in einer Welt, wo verschiedenste Welten irgendwie zusammenkommen mit ihren spezifischen Problemen.

Mit all diesen schwerwiegenden und ahnungsvollen Gedanken wandere ich weiter. Dennoch genieße ich es, denn hier wirkt nicht nur die Großartigkeit der Landschaft. Es ist auch eine "Erdausstrahlung" zu verspüren, die mich sehr stark berührt. Etwas ganz zentral Wichtiges scheint in dieser Welt "versteckt". Ich muß gewissermaßen zuerst mal prüfen, ob ich als menschliches Wesen im außerkörperlichen Zustand das hier überhaupt aushalten kann. Irgendwie habe ich das Gefühl, als würde ich ganz genau beobachtet, als würde man jede meiner Reaktionen exakt beurteilen und abwägen. Ich muß mich also in den Augen von jemandem, den ich nicht im Entferntesten kenne, "bewähren".

Aufgrund früherer außerkörperlicher Erfahrungen sind mir gewisse Verhaltensweisen regelrecht in Fleisch und Blut (sic!) übergegangen. Ich war nun derart oft in fremden Ländern und Welten, in anderweltlichen Bereichen, daß ich ganz deutlich verspüre, daß es allein diese Erfahrungen sind, die es mir ermöglichen - angesichts der ungeheuren Bedrückung, die von dieser Welt ausgeht - hier die Kontinuität des Ich- Bewußtseins ohne Schwierigkeiten zu halten. Außer meinen Erfahrungen praktischer Art helfen mir aber ebenso die sogenannten theoretischen Kenntnisse ungemein, zumal das Wissen um gewisse geschichtliche Probleme in der Auseinandersetzung mit diesen (Ander- )Welten. All dies fällt schwer ins Gewicht und ermöglicht mir eine Gelassenheit sondergleichen - so weit ich sie eben "besitze" bzw. habe. Dazu kommt allerdings auch das Vermögen einer (erkenntnis-) kritischen Nachdenklichkeit. All dies stabilisiert und hält mich bewußtseinskontinuierlich.

Typisch ist deswegen meine Reaktion auf die nun folgende Erscheinung: Plötzlich sehe ich von rechts hinten eine schwarze Gestalt auf mich zukommen. Es ist ein Wesen, wie ich es noch nie gesehen habe. Ich erkenne es sogleich und kann es sofort klassifizieren: es ist ein wahrhaftiger Teufel. Nun ist es aber so, daß meine "Beziehung" zu Teufeln differenziert ist. Ich klassifiziere dieses Wesen als Teufel aus folgenden Gründen:

1. Im Mittelalter und später bis in die Neuzeit hinein - und wohl auch in der Moderne noch - würde dieses Wesen seiner Erscheinungsform nach eindeutig als "Teufel" klassifiziert mit all den damit verbundenen irrwitzigen Ängsten und Vorurteilen. Für einen Menschen muß ein solches Wesen teuflisch sein, weil - und das ist der springende Punkt - seine Wesensart "instinktiv" als von der unseren (d.h. der menschlichen) absolut verschieden erkannt wird. Das führt einerseits zur berechtigten Bezeichnung "Teufel", denn die Wirkung ein solches Wesen auf einen Menschen, dessen BK (Ich-Bewußtseinskontinuität) irgendwelche Lücken aufweist, muß geradezu verheerend sein. Diese Bezeichnung ist aber andererseits nicht korrekt, weil sie ein Vorurteil widerspiegelt und das Wesen in eine ganz spezifische Rolle zwingt!

2. Dieses Wesen ist ein wahrer "Teufel", und ich erkenne hinter den sogenannten kulturellen Vorstellungsbedingtheiten einen wahren Kern, einen Kern, der eben nur "teuflisch" genannt werden kann. Aber neben diesem "Charakterzug" gibt es noch andere, die man - und das spüre ich deutlich, und das macht mich auch innerlich schaudern - bis dahin überhaupt nicht erkannt hat. Es ist eben ein Wesen aus einer ganz anderen Dimension, dessen Gemeinsamkeiten sich für den "Normalverbraucher" einzig auf das beschränken, was wir unter "teuflisch" verstehen. Eben dieser teuflische Zug ist derjenige, der diese Wesen mit den Menschen verbindet. Auch geschichtlich gesehen ist diese Wesensart stets die einzige gewesen, die in der Kommunikation zwischen diesen Wesen und den Menschen eine Rolle gespielt hat. Das ist eine ungeheuer wichtige Sache!

Und eben diese Sache, diese Erkenntnis läßt mich in einen sehr stark gestreßten Zustand "verfallen", d.h. ich muß alle meine Sinne beisammen halten, um bewußt bei dieser Sache zu bleiben, blitzartig alle Fakten zu berücksichtigen und sehr wichtige Entscheidungen treffen. Entscheidungen nämlich, deren Fehlerhaftigkeit zu einem plötzlichen Kollaps meinerseits führen könnten. Ich stehe wie noch selten auf des Messers Schneide und bin mir dessen vollauf bewußt. Ich gehe ein ganz gewaltiges Risiko ein und spiele fast mit meinem Untergang. Aber es handelt sich hier um eine derart ernste Angelegenheit nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, daß ich dieses Risiko einfach mal auf mich nehmen muß, denn sonst wird es ein anderer tun müssen. Im Grunde ist es völlig egal, welcher Mensch hier bestehen kann. Es geht um keine besondere Auszeichnung für jenen, der in diese Sache verwickelt wird. Es ist eben wie bei Frodo. (Anm.57) Es hätte ebenso einen anderen treffen können. Wer jedoch aufgerufen ist aus der Masse, der muß bestehen und seine Aufgabe erfüllen, wobei nicht er als Person wichtig ist, sondern allein die Tatsache zählt, ob die betreffende Aufgabe gelöst worden ist oder nicht. Wird sie gelöst, dann hat das Konsequenzen für alle Menschen, wird sie nicht gelöst, dann muß ein anderer Mensch es auf andere Art wieder versuchen. Die Auswirkungen sind aber ebenso wie bei einer Lösung. In jeden Falle spielt es eine Rolle, egal ob es gelungen ist oder nicht. Was aber eben überhaupt keine Rolle spielt, das ist meine "Person". An die wird sich niemand erinnern. Es ist irgendwie wie bei der sogenannten Erfindung des Rades: es ist unwichtig, wer es erfunden hat. Wichtig ist nur, daß es erfunden worden ist. Selbstverständlich hat derjenige, der es "erfunden" hat, eine einschneidende Veränderung in seinem eigenen Leben erfahren, aber diese hat ihn genauso viel oder so wenig getroffen wie alle anderen Mitmenschen, die dann das Rad übernommen und benutzt haben.

Nun denn - das Wesen ist gut um einen Kopf "gedrungener" als ich (und doch irgendwie größer, denn es ist kompakter und besitzt eine gewaltige Kraftausstrahlung). Zu meinem Erstaunen ist es "menschlich" in seiner Gestalt, d.h. es geht auf zwei Beinen, hat zwei Arme und einen Kopf. Aber es ist genauso, wie wenn ich einen Gorilla antreffen würde und nun jemandem erzählte, daß ein Gorilla im Grunde auch "menschlich" aussieht. So ist es mit diesem Wesen. Sein Körper ist vollständig von glänzendem schwarzen Haar bedeckt. Es hat also ein "Fell", aber ein Fell mit einer Haarlänge von mindestens zehn Zentimetern. Das Fell ist sehr dicht und "kompakt". Die Kopfhaare vorn sind so angeordnet, daß sie wie zwei Teufelshörner aussehen.

Auch hier wieder ist es nicht möglich, die Sache korrekt zu beschreiben, denn für diese Gegebenheiten sind in der menschlichen Sprache keine Worte vorgesehen. Ich müßte ein ganz neues Wort "erfinden", z.B. wäre das Wesen als "stbr" zu bezeichnen und die Haare als "flkgt". Doch dabei sind selbst die Buchstaben irreführend. Auch das Gehen und ganz allgemein die Art und Weise dieses Wesens kann nicht zutreffend beschrieben werden, da kein Wort-Bedeutungsfeld existiert, welches das Gehen dieses Wesen auch nur annähernd bezeichnet. Ich muß schlicht sagen, daß es einfach ein "Gehen" ist; "das Wesen geht neben mir her". Und diese Aussage ist keineswegs falsch, sie ist nur täuschend, da kein Mensch auf diese Weise neben einem hergehen kann. Doch ich kann eben gar kein anderes Wort benutzen als "Gehen", und im Grunde ist es auch ganz egal, ob das Wort stimmt, Hauptsache ist, daß die Leser einfach mitbekommen, daß "Etwas" "irgendwie" "da" ist und "mit einem geht".

Hier ist denn auch der Ort, wo man ganz klar sehen muß, daß ich dieses Wesen durch meinen eigenen Filter sehe und sehen muß - denn sonst könnte ich es nicht sehen und könnte es auch gar nicht beschreiben - obwohl ich es nicht beschreiben kann. Hier ist es eben so, daß dieses Wesen sich auf eine Art manifestiert, wie ich es sehen kann, zu sehen vermag. Es ist - objektiv - aber nicht von dieser Gestalt, denn objektiv ist dieses Wesen für mich nicht erfaßbar. Es ist "ganz anders" und kein Mensch. Das ist auch der Grund, weswegen diese Wesenheit für mich wie ein Teufel aussieht, denn in dieser Sichtweise gruppieren sich die mir möglichen Aufnahme- und Feststellungs"felder". Arthur Stanley Eddington (Anm.58)) würde vielleicht sagen: Das von mir verwendete "Netz" ist derart beschaffen, daß ich fast überhaupt keine Punkte in demselben besitze, in und durch welche ein solches Wesen für mich sichtbar werden könnte. Diejenigen Netzpunkte, in welchen sich das Wesen für mich optisch usw. "begreifbar" darstellen kann, sind derart beschaffen, daß es als "Teufel" bezeichnet werden muß.

Für mich als derjenige, der das Netz "auswirft", ist es von großer Wichtigkeit, daß ich diese Tatsache klar und deutlich erkenne, d.h. ich habe einen sauberen erkenntnistheoretischen Standpunkt einzunehmen und mir des selektiven Subjektivismus in einem hohen Masse bewußt zu sein und exakt nach diesem Kriterium zu handeln. Würde ich nicht so handeln, dann wäre dieser "Teufel" für mich im "wahrsten Sinne" des Wortes ein Teufel. In dieser Situation hätte das schwerwiegende Folgen für mich. Auf jeden Fall würde die Kontinuität des Ich-Bewußtseins, die Bewußtheit, in Leidenschaft gezogen. Das wäre allerdings noch das geringste aller Übel, so wie ich die Situation einschätze.

Wäre ich mir des erkenntnistheoretischen Standpunktes nicht bewußt, dann könnte ich nicht sehen, daß dieses Wesen Eigenschaften besitzt, die mir als Mensch völlig unbekannt sind. Diese erlauben es überhaupt nicht, von irgendwelchem "Teufelswerk" und von "Teufelswesen" zu sprechen. Dies könnte nur der Fall sein, wenn ich die kollektiven Vorstellungen bezüglich eines solchen Wesens in mir beherrschend werden ließe.

So aber sind mir andauernd diese kollektiven Vorstellungen bewußt. Und mehr noch - sie sind mir dank der BK verfügbar, und ich kann geschichtliche Kenntnisse vergleichend verwenden. Mir beispielsweise sagen, daß dies oder jenes nun eine Hexe oder einen Priester zu diesem bezugsweise jenem bestimmten Urteil und Tun ver"leitet" hätte. Eine Einschätzung des Wesens und der Situation, deren Verabsolutierung unweigerlich zu all jenen Maßnahmen hätte führen müssen, die im weitesten Sinne als Exorzismus und Hexenverfolgung bekannt sind.

Alle diese Aspekte, die dem Mittelalter und der Inquisitionszeit, aber auch der Hermetik ganz allgemein, als "teuflisch" bekannt sind, werden hier bei dieser Begegnung deutlich erkennbar, stellen aber eine unangebrachte Charakterisierung dieses Wesens dar. Würde ich allein diese Sichtweise anwenden, dann sähe ich das Wesen falsch und identifizierte meine subjektive Sichtweise mit der kollektiven, der allgemeinen Auffassung. Die Subjektseite darf gerade wegen ihrer Beeinflussung durch die allgemeine Meinung unter keinen Umständen vernachlässigt werden. Nur wegen der Prägung durch die Kollektiv-Meinung sind für mich alle Äußerungen und Handlungen dieses "Teufels" eben "teuflisch". In jedem Moment könnte die Prägung durch die Allgemeinheit zu den gewohnten und üblichen Gegenmaßnahmen führen, welche historisch und allgemeinmenschlich durchaus als "Normalfall" zu betrachten sind. Auch ich könnte kaum anders als auf die gewohnte Art und Weise handeln, weil solch ein Verhalten angesichts einer derartigen Situation eine Eigenschaft jenes Systems ist, in dem ich innerkörperlich lebe. Und nur dann - nur dann - kann die kollektive Handlungs- und Denkweise bewußt erkannt und vermieden werden, wenn dauernd eine erkenntnistheoretische Reflexion stattfindet. Es ist also (an dieser Stelle sei dies einfach mal stichwortartig angegeben - in der Hoffnung, vielleicht an anderem Orte später darauf eingehen zu können) eine Art systematische Systemlosigkeit durchzuführen bzw. eine BK-MTT (M'tar t'ug) und somit eine Bezogenheit auf das 0/0- Lamdomaprinzip resp. den Keivalya-Zustand. Letzterer hat gewisse Ähnlichkeiten mit Don Juans Nagual und das alles hat zu tun mit der Problematik des Samsara-Nirvana. (Es geht kurz gesagt darum, bewußt die Identität mit irgendeinem bestimmten Bewußtseinsinhalt aufzugeben. Bewußtsein (von etwas Bestimmtem; 'consciousness') wird damit zur Bewußtheit (von "Nichts"; 'awareness'). Obwohl dies widersprüchlich erscheint: Die Ich-Bewußtseins-Kontinuität bleibt bestehen!)

Beim nun folgenden Gespräch mit diesem "teuflischen Wesen" bin ich mir dieser Sache genau bewußt. Zum Teil kann ich sie sogar mit diesem Wesen besprechen. Dabei wird von seiner Seite her deutlich, daß das Wesen meine Betrachtungsweise akzeptiert und den hohen Schwierigkeitsgrad anerkennt. Es wird im Gespräch deutlich, daß eben die fehlende erkenntnistheoretische Reflexion Begegnungen dieser Art in beinahe allen Fällen zum Scheitern gebracht hat, und daß nur bei Beibehaltung einer bewußt durchgeführten ständigen erkenntnistheoretischen Reflexion Katastrophen verhindert werden können.

Für mich ist die Auseinandersetzung sehr anstrengend, und ich befürchte, daß meine Kraft kaum ausreichen wird, um diese Begegnung auf dem bisherigen Niveau durchzuhalten. Ich bin aber dennoch froh darüber, daß es mir überhaupt gelungen ist, sie soweit beizubehalten und bin mir dessen bewußt, daß ich
a) nicht in Panik geraten darf,
b) das biblische Wort: "Seid klug wie die Schlangen", beherzigen und
c) Mut zu beweisen und sogar das Risiko meiner Zerstörung in Kauf zu nehmen habe. Das Schlimmste bestünde darin, mich nicht mehr an diese Sache erinnern zu können! Dies wäre allerdings gleichbedeutend mit "Zerstörung", da meine BK damit einen schweren Schlag erlitte.

Es gilt, dieses Wesen in seiner ganzen Andersartigkeit zu akzeptieren - und zwar unter strengster Berücksichtigung aller mir zur Verfügung stehenden erkenntnistheoretischen Fähigkeiten, d.h. ich muß so weit gehen, wie es für mich überhaupt möglich ist.

Es entwickelt sich des weiteren ein Gespräch, Ich fasse es zusammen, da dessen genauer Wortlaut nicht vollumfänglich erinnert werden kann. Das Gespräch dauert zudem mehrere Minuten!

Dieser "Teufel" ist bereit, mir - falls ich es möchte - die Hölle zu zeigen. Es wäre die Hölle, welche auch Dante und anderen gezeigt worden ist. Nur werde ich sie anders als jene sehen, da ich einen anderen erkenntnistheoretischen Standpunkt einnehme. Deswegen wird es nicht die "Hölle" sein, sondern "bloß" die "Hölle". Diese Möglichkeit läßt in mir ein mulmiges Gefühl aufkommen, denn ich weiß genau, daß das in der "Hölle" zu Sehende schwer zu verdauen sein wird - egal wie meine erkenntnistheoretische Betrachtungsweise ausfallen mag. Es läßt sich nicht voraussagen, ob das dort zu Sehende für mich überhaupt zu "bewältigen" sein wird, zumal ein Blick in die "Hölle" eben ein Blick in die "Hölle" ist, in eine Hölle, die ihren Namen trotz aller erkenntnistheoretischer Betrachtungsmöglichkeiten vollumfänglich verdient. Es ist wie in einem Spital, resp. auf der Notfallstation: Auch wenn ich ganz genau weiß, daß es sich "nur" um materielle Vehikel von bewußten Wesen handelt, die hier mehr oder weniger verletzt angebracht werden, weiß ich doch auch, daß die davon Betroffenen diesen Unterschied nicht alle zu machen vermögen und deswegen in einer Privathölle gefangen sind und ungeheure Leiden bestehen müssen.

Ich selber kann dies zwar anders sehen, aber die davon Betroffenen nicht. Diese identifizieren sich meist total mit dem Körper. Zudem kann ich als Beobachter mein Gefühl nicht ausschalten, weil es ebenso zur Kontinuität der Ich-Bewußtheit gehört wie die Denkfähigkeit. Das in der Hölle zu Sehende wird also auch gefühlsmäßig zu bewältigen sein. Und das dürfte alles andere denn einfach sein.

Ich bleibe aufgrund dieser Erwägungen ziemlich zurückhaltend, was das Angebot des "Teufels" betrifft, weiß aber, daß es früher oder später - aus mir nicht bekannten Gründen - notwendig sein wird, die "Hölle" zu besuchen. Ich könnte mir bestenfalls vorstellen, daß die "Hölle" eben zu einem Objektbereich gehört, der sehr vielen Individuen intersubjektiv gegeben ist.

Und was verschiedene Individuen zusammen ausbilden, das muß ich als Individuum in all seinen Auswirkungen ebenfalls erfassen können. Immer da, wo eine Wesenheit ist, gibt es auch eine Welt. Und diese Welt kann von mir gesehen werden, wenn auch nur durch den Filter meiner eigenen Subjektivität. Immerhin wird der Objektanteil zumindest zu erahnen sein. Zudem ist es natürlich so, daß eine Auseinandersetzung mit anderen "Einheiten" sofort zu "gemeinsamen" Welten führt, weil - und das kompliziert die Sache mit dem Filter und dem Netz ganz ungemein - mit dem "Sehen" eine Wechselwirkung stattfindet und mit der Wechselwirkung eine Veränderung des Netzes resp. des Filters! Ist nun diese Änderungsrate zu hoch, dann bricht die BK zusammen, ist sie etwas niedriger, dann führt sie unweigerlich zu schwerwiegenden Erschütterungen.

All diese Bedenken sind jedoch kein prinzipielles Argument gegen eine "Exploration", zumal ich mich eben ganz deutlich erinnere, daß in der Weltgeschichte schon einige Männer zur "Hölle" abgestiegen sind und dieselbe angesehen haben - auch Frauen natürlich. Sie haben es also schon lange vor mir gewagt, da hinabzusteigen. Ergo kann und muß ich es auch wagen, zumal keinerlei Gründe dagegen sprechen. Es scheint jetzt einfach der Zeit dafür gekommen zu sein.

Der mich begleitende "Teufel" scheint sich auf jeden Fall gut auszukennen in diesen Gegenden. Er weist mich darauf hin, daß wir hinter der nächsten Kuppe zu der eigentlichen Höllenpforte kommen werden. Was mich beim Gedanken, zur Hölle hinabzusteigen, zusätzlich etwas vorsichtig zurückhaltend stimmt, ist das Wissen um meine eigenen Vorstellungen. In der Kindheit wurde mir bezüglich der Hölle einiges vorgesagt. Die dadurch gebildeten Vorstellungen könnten mich nun stark verunsichern und stören. Ich werde also aufpassen müssen und habe doch ziemliche Bedenken wegen meines Filters. Es könnte sein, daß ich vor lauter subjektiven Dingen das "objektiv" Gegebene nicht mehr erkenne.

Wir kommen der Kuppe immer näher, und ich spüre förmlich "körperlich" den Eingang zur Hölle. Es ist, als würde mir der "Gestank" (womit die Sache aber auch gar nichts zu tun hat!) regelrecht entgegenwehen und mich fast zurückprallen lassen. Die Schwingungen, die "Vibrations", sind unbeschreiblich spezifisch - es kann sich nur um Schwingungen aus der Hölle handeln.

Ich akzeptiere das Unvermeidliche und bin deswegen ziemlich erstaunt, plötzlich am "Weg" links an einem Bord zwei Wesen zu sehen. Der obere Rand ist von Büschen bewachsen. In eine Lücke wurde eine Leiter gestellt, die bis auf den Weg hinunterreicht, wo wir zusammen laufen. Die Leiter ist etwa 1.70 m hoch. Oben hocken die beiden Wesen und rufen uns zu, wir sollten mal herkommen.

Ich "erkenne", daß es zwei Engel sind - und gleichzeitig realisiere ich, daß es hier wieder um exakt dasselbe erkenntnistheoretische Problem wie vorhin beim "Teufel" geht. Nur sind es jetzt Engel! Der eine trägt ein wallendes, knöchellanges, ungegürtetes weißes Linnenkleid, der andere besteht vollständig aus Metall und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Metallwesen, aber kein "Roboter".

Es sind zwei Engel mit sehr großer Macht, einer Macht, die weitaus größer ist als die des "Teufels" an meiner Seite. Und es sind Wesen, die keinerlei Betrug dulden, nicht den allergeringsten - und schon gar nicht seitens dieses Teufels.

Ich bekomme nicht so recht mit, um was es eigentlich geht, auf jeden Fall wird der Teufel des versuchten Verrates und Betruges an mir überführt. Es wird ihm prinzipiell verboten, mich in die Hölle zu geleiten. Im Gegenteil, dem Teufel wird befohlen, die Leiter hinaufzusteigen und aufs obere - eleusinische - Feld hinaufzugehen. Dort habe er eine Weile zur Beobachtung zu bleiben.

Auch ich steige die Leiter hoch und sehe ziemlich viele Leute, unter ihnen auch einige Verstorbene. Jetzt kann ich mich allerdings nicht mehr an eventuell kurze - und im übrigen belanglose - Begegnungen erinnern. Später beschließe ich (es scheint auch zu einem Gespräch mit den beiden Wächterengeln gekommen zu sein), das Gebiet wieder zu verlassen - und bin eigentlich froh, daß sich dieser Höllenbesuch doch noch etwas hinausgeschoben hat. So besteht zumindest die Möglichkeit, einen besseren Führer durch die Hölle zu bekommen.

Der Teufel von vorhin ist also des versuchten Betruges an mir für schuldig befunden worden. Es scheint, als habe er mich nur deswegen in die Hölle führen wollen, damit ich meine BK verliere und in die Fänge des Höllenfürsten gerate. Nach den zuvor ausgeführten erkenntnistheoretischen Gründen würde aber auch dies nur wieder eine Interpretationsfrage darstellen. Die Begegnung hätte dann auch ganz anders ausfallen können.

Mir reicht's jetzt, und ich gehe aus dieser Welt hinaus und kehre zurück zur "Erde". Im Zimmer schlüpfe ich wieder in den im Bett liegenden, schlafenden Körper. Nun bin ich echt müde und dann wird die Sache traumartig, d.h. die Kontinuität des Bewußtseins geht verloren, weshalb ich an dieser Stelle den Bericht beende.

Textanfang

Anmerkungen

Anm 55: Eliade 1960 S. 4.
Anm.55 Ende - zurück zum Text

Anm 56: Lu K'uan Yü Zu Hua t'ou bzw. dem Zweifel vgl. die Bücher von Charles Luk.
Anm.56 Ende - zurück zum Text

Anm 57: J.R.R. Tolkien Bd 1 S. 84:
"Warum wurde ich erwählt'?"
"Solche Fragen lassen sich nicht beantworten. Du kannst gewiß sein, daß es nicht wegen irgendwelcher Vorzüge war, die andere nicht besitzen, nicht Macht oder Weisheit jedenfalls. Doch bist du erwählt worden und daher mußt du alles zusammennehmen, was du an Kraft, Mut und Verstand hast."
Anm.57 Ende - zurück zum Text

Anm 58: Zum selektiven Subjektivismus vgl. z.B. das Buch von Eddington. Vgl. auch das entsprechende Stichwort im Glossar.
Anm.58 Ende - zurück zum Text


Literaturverzeichnis

Eliade, Mircea: Der magische Flug in: Antaios 1/1960:1-12.
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Lu K'uan Yü (Charles Luk) The Secrets of Chinese Meditation: Self-cultivation by Mind Control as taught in the Ch'an, Mahayana and Taoist schools in China. London: Rider, (1964) 3rd ed. 1975.
Lu K'uan Yü (Charles Luk) Geheimnisse der chinesischen Meditation: Selbstgestaltung durch Bewußtseinskontrolle, nach den Lehren des Ch'an, des Mahayana und der taoistischen Schulen in China. Aus dem Englischen von H.U. Riecker. Zürich: Rascher, (1964) 1967.
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Tolkien J.R.R. Herr der Ringe Bd 1-3. Stuttgart: Klett (1966) 1972.
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Eddington, Arthur Stanley. Philosophie der Naturwissenschaft. Bern: Francke, (1939) 1949.
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