Sexualmagie und Dimensionswechsel
2/4
18.9.1978

Werner Zurfluh
e-mail: Homepage Glossar


Teil 1

Fortsetzung der Erfahrung vom 18. September 1978
Da bin ich mit etwas konfrontiert, das bislang in dieser brutal klaren Form von mir noch nie hinterfragt werden mußte. Unter diesem Aspekt verschärft sich die ganze Sache rund um die Sexualität im außerkörperlichen Zustand zusehends. Nun ist es für mich nicht mehr so einfach, denn dieses Wissen fordert seinen Tribut. Es gräbt sich tief in mich ein, so tief, daß es nicht mehr ausgerissen und damit aus dem Gedächtnis gelöscht werden kann. Von diesem Augenblick an ist es mir nicht mehr möglich, den außerkörperlichen Zustand naiv aufzufassen oder mein genießerisches, wunscherfüllendes Tun mit einem Abaissement zu entschuldigen.

Mich trifft eine tiefe Schuld - und das ist eine sehr harte Sache. Ich erkenne zum allerersten Mal die gewaltige Problematik, die ich bis zu diesem Zeitpunkt geflissentlichst übersehen habe. In meiner Jugend wurde nämlich immer wieder von der katholischen Erziehung her explizit und noch mehr implizit betont, daß Sexualität im Alltag "Sünde" sei. Die Gedanken hingegen seien (ziemlich) frei - vor allem seien sexuelle Erlebnisse im Traum keineswegs sündhaft. Diese Meinung erweist sich nun als perfider Trugschluß. Daß dem keineswegs so ist, hätte ich niemals gedacht.

Die Konsequenzen, die sich hier ergeben, sind beeindruckend. Nicht, daß ich nun "sündigen" würde. Es ist wesentlich schlimmer! Ich wäre offensichtlich fähig, eine "Sünde wider besseren Wissens" zu begehen. Mich erschüttert die Erkenntnis, einsehen zu müssen, wie die verschlungenen kollektiven Bahnungen sich hier auswirken. Diese führen letzten Endes zu einer Scheinlegitimation, die völlig falsch ist. Auch lassen sie sich nur sehr schwer bewußt machen, weil unendlich viele Entschuldigungen bereit stehen, so daß es beinahe unmöglich ist, zum eigentlichen Problem vorzustoßen.

(Zwischenbemerkung: All diese Gedanken "konstellieren" sich während des Geschehens ganz am Rande und können bloß gefühlsmäßig - nicht aber verbal - erfaßt werden. Erst jetzt beim Protokollieren dieser Erfahrung werden sie greif- und vollumfänglich verbal formulierbar. Meine schriftlichen Äußerungen treffen jedoch voll auf die gefühlsmäßigen Zustände zu, denn sie werden durch die Wortfassung nur schärfer konturiert. Was ich jetzt in Worte fasse, das habe ich "drüben" umfassend gesehen und geahnt.)

Die zwingende Schlußfolgerung ist die, daß außerkörperlich in einem "Drüben" die Eigenverantwortung keineswegs abnimmt - ganz im Gegenteil! Diese Erkenntnis schockiert. Sie verwirrt mich und bringt mich aus der Fassung. Ziemlich konsterniert und aufgeschreckt verlasse ich die Wohnung via Tür und Gang - und gehe gleich in die benachbarte Wohnung, um dasselbe nochmals zu versuchen.

Im Grunde bin ich derart perplex, daß es mir nicht gelingt, die gewonnene Erkenntnis sofort konsequent umzusetzen. Mein weiteres Handeln geschieht völlig automatisch und bewegt sich innerhalb des von Anfang an willentlich Vorgenommenen: «Im außerkörperlichen Zustand Wohnungen nach geeigneten Sexualobjekten absuchen!» Ich weiß jetzt zwar, daß dieses Vorhaben total blödsinnig und aberwitzig ist - aber eben, in diesen Welten herrschen knallharte 'Gesetze'. Gerade in solchen Momenten kommt es direkt zum Ausdruck, wie groß das Beharrungsvermögen von Gedankenbahnungen ist - vor allem dann, wenn sie erst mal dieses "gesetzte Alter" und diese "Gewohnheitsstufe" erreicht haben wie bei mir in bezug auf sexuelles Tun im außerkörperlichen Zustand.

In einer walisischen Geschicht heißt es vom "Parzival-Äquivalent" Peredur: Er durchlebte "viele Abenteuer, bis er sich in eine Jungfrau verliebte. Diese Liebe erinnerte ihn daran, wer er eigentlich war und worum es ihm im Leben in Wirklichkeit ging - darum, den Gral zu finden und die Frage zu stellen" (Matthews 1994:149-150). - Es ist die über das bloß sexuelle Tun hinausführende Liebes-Beziehung, die zur Erinnerung und damit zur BK führt! (Hierzu vgl. auch "Vereinigung differenziert" .) Daß die Sexualität von kirchlich-katholischen Kreisen beinahe ausschließlich physisch verstanden wird, ist tragisch. Beispielsweise wird mit dem Verbot, empfängnisverhütende Mittel einzusetzen, das Verständnis einer erotisch-partnerschaftlichen Sexualität nur wenig bis gar nicht gefördert.

Beim Durchdringen der Tür ist wieder ein leichter Materialwiderstand zu spüren. So weit ich mich erinnere, ist in dieser Wohnung niemand zu finden, der zu einer Beziehung auf sexueller Ebene bereit gewesen wäre. Es scheinen jedenfalls Leute hier zu leben, die mir von früher her nicht bekannt sind. Der Erkenntnisschock von vorhin wirkt immer noch ganz massiv, denn ich komme mir vor wie ein Betrunkener in einem wogenden und schwappenden Nebel. Nur schwer sind die Gegebenheiten zu erfassen. Die Erinnerung an das an diesem Ort Gesehene verschwindet und verblaßt sofort. Im Grunde aber ist das äußere Geschehen hier unwichtig, denn in mir drinnen brodelt und kocht es. Die Gefühle wallen mit all der damit verbundenen Scham auf und suchen langsam aber unerbittlich ihren definitiven Weg zur Bewußtwerdung.

Die Angelegenheit ist für mich sehr unangenehm und peinlich. Schließlich verlasse ich die Wohnung und steige beinahe schwebend einen Stock tiefer hinunter, um hier eine nächste Wohnung zu inspizieren. In ihr brennt noch Licht. Auf einer großen Matratze auf dem Boden liegen zwei Personen. Beide scheinen zu schlafen. Ich "klettere" hinauf, um nachzusehen, wer da friedlich schlummert.

Kaum bin ich auf bzw. über der Matratze, scheinen beide etwas bemerkt zu haben, "wenden sich um" und schauen mich an. Es sind zwei Frauen! In den Augen der einen, größeren, ist deutlich zu erkennen, daß sie sich sowohl ihrer als auch meiner Situation klar bewußt ist. Sie kennt mich natürlich nicht und hat mich noch nie zuvor gesehen. Mich durchzuckt schlagartig ein tiefes Entsetzen. Diese Frau weiß genau, daß wir drei im außerkörperlichen Zustand sind, und daß ich einer derjenigen bin, der in diesem Zustand des Nachts als Incubus herumgehen, um sein willfähriges Opfer zu suchen.

Diese Erkenntnis packt mich eiskalt. Sie ist derart aberwitzig, daß ich die nächsten fünf Minuten einerseits völlig automatisch handle, andererseits in dieser Zeit andauernd die neugewonnenen Erkenntnisse rasend schnell, distanziert und kristallklar verarbeite. In dieser Zeit treiben die beiden Frauen mit mir diverse Sexspiele, sichtlich derart lustvoll und mit Wonne, daß ich mich nun selber fast schon vergewaltigt vorkomme.

Die Frauen machen keinerlei Hehl daraus, daß sie genau wissen, was da geschieht und sagen, daß sie kein anderes Ziel und keinen anderen Wunsch hätten, als die Nächte möglichst auf diese Weise zu verbringen. Die Falle ist zugeschnappt! Das hätte ich nie für möglich gehalten! Nun arbeite ich doch schon seit Jahren an diesen Fragen und Problemen - und jetzt dieses. Da ich in diesem Moment die Incubus-Succubus-Sache am eignen Leib erlebe, gibt mir die eigene Erfahrung die "unerschütterliche" Gewißheit, daß das Hexenwesen alles andere als eine romantische Fiktion ist. Das Hexentum ist schlicht und einfach eine Realität! Diese Tatsache ist für mich schon deshalb umso umwerfender, weil ich bis heute (außerkörperlich) kaum jemanden begegnet bin, der wußte, daß er oder sie sich in der sogenannten Traumebene befindet. Und nun dieser direkte "Beweis"!

Zum Problem des Succubus/Incubus schreibt Keith Thompson 1993:224-225:
«Inkubus, ein männlicher Dämon, der mit Frauen im Schlaf verkehrt, wird vom lateinischen Verb incubare, 'liegen, schlafen', abgeleitet, während ein Sukkubus, abgeleitet vom Verb suscubare, 'darunter legen', ein weiblicher Dämon ist, der mit Männern verkehrt, während sie schlafen. Der Engelforscher Malcolm Godwin bietet dazu den folgenden Bezugsrahmen:
"Alle Quellen deuten auf die unbestrittene Tatsache hin, daß Engel sich leicht korrumpieren lassen, wenn sie mit Menschen zusammen sind. Es ist schwierig festzustellen, ob es die zügellose Natur der manifesten, materiellen Welt ist, die ihren Panzer der Rechtschaffenheit durchrosten läßt, oder ob es innerhalb des Fleischlichen ein Magnetfeld gibt, das ihre ehrenhaften Grenzen übel ins Wanken geraten läßt. Aus welchem Grund auch immer: Engel sind fraglos empfänglich für 'eine Freundschaft der Lenden'."
Man vermutet, daß die heidnische Hierarchie der Dämonen Eingang in die christliche Hierarchie der Engel gefunden hat. Haben dieselben Kräfte auch den Weg in den modernen Ufo-Mythos gefunden? Die Wesen, die George Adamski in der kalifornischen Wüste besuchten, erschienen in ansprechender menschlicher Gestalt (Engel des Lichts?), während die 'Männer in Schwarz' dagegen eindeutig düstere Zwischentöne anklingen lassen (Engel der Dunkelheit?).
Ohne dem konzeptuellen Irrtum zu verfallen, komplexe Bereiche auf ihre wechselseitige Beziehung zu reduzieren ('Außerirdische sind ganz einfach die Engel von heute'), scheint die Feststellung unverfänglich, daß Außerirdische und Engel als dämonische Agenten fungieren.»

Festzuhalten ist, daß ich weder ein Engel noch ein Außeridischer bin, sondern bloß ein Mensch im außerkörperlichen Zustand, der unbeholfen und tappsend den 'Schritt über die Schwelle' gewagt hat - und sich nun mir Problemen konfrontiert sieht, von denen er zuvor nicht einmal 'geträumt' hat. Keith Thompson spricht vom Menschen als von einem 'Amphibium' - und genau dies ist der springende Punkt - auch und gerade - im Zusammenhang mit den UFOs! Hierzu vgl. die Erfahrung vom 29. Oktober 1978 "UFO-Begegnung".

Thompson streift mit seinem Text 1993 offensichtlich die Frage der Außerkörperlichkeit und der Bewußtseinskontinuität und schreibt:
«Was würde geschehen, wenn immer mehr Entführte asiatische Kampfsportarten erlernten und ihr Ki und Ch'i, ihre verborgenen Energiekörper, entwickelten? Würden sie sich in den 'überirdischen Elementen', in denen sie sich plötzlich befinden, besser zurechtfinden? ... Nehmen wir einmal an, sie übten sich in der Kunst der Schamanen, in Traumzuständen hellwach zu bleiben. Würde es ihnen beim nächsten Entführungsversuch womöglich leichter fallen, ihre Aufmerksamkeit stärker auf feinstoffliche Körperebenen zu richten, würden sie äußere Reize und innere Reaktionen besser verfolgen können, ihre Vorstellungs- und Konzentrationsfähigkeit schärfen?
Hätten diese Personen einen Vorteil gegenüber anderen - zum Beispiel, indem sie beim Übergang zwischen der Alltagswelt, aus der sie geholt werden, und dem phantastischen Bereich, in den sie gleiten oder getragen werden, bei Bewußtsein blieben? ('Torweg-Amnesie' nennen die Ufo-Forscher das charakteristische Fehlen der Erinnerung an dieser zentralen Schwelle. ...)
Darauf wollte ich hinaus: Wenn wir wirklich "Amphibien" sind, ist es vielleicht notwendig, daß wir zuerst einmal den Willen aktivieren, damit wir unsere wachsenden Glieder überhaupt benutzen können. Wie würde das Entführungserlebnis für Menschen aussehen, zu spüren sein, sich anhören, die Außerirdischen zu begegnen wünschten, als würden sie einen bedeutenden Zwischenbereich mit uns als 'hyperdimensionale' Wesen teilen?
Mir ist es mit diesen Vorschlägen durchaus ernst - ich habe große Achtung vor den Entführten, sie verdienen nichts so sehr, wie für eine in der Regel unmögliche Situation gestärkt zu werden. Ich schlage kein olympisches Trainingsprogramm vor, nur eine kleine Ertüchtigung im Hinblick auf eine bessere Bewältigung des Lebens: von Körper, Verstand, Gefühlen, Vorstellungskraft und Geist. Im wesentlichen schlage ich ein Experiment vor. Es ist an der Zeit, mutiger zu werden.
... Ich hoffe nur einfach, daß bei der Beratung von Entführten wirksamere Strategien entwickelt werden, mit etwas weniger melodramatisch-ohnmächtigem Fäusteschütteln gegen den dunklen Himmel ...
Kurz gesagt, wir könnten hier eine nützliche wissenschaftliche Aufgabe erfüllen, indem wir bei einem bestehenden Experiment, von dem wir gewisse Parameter bereits kennen (rätselhaftes Licht am Himmel, abgestorbener Motor, fehlende Zeit, schreckliche Erinnerungen und so weiter), eine neue Variable einführen. Und wir würden zweifellos einen neuen Korpus von Abenteuergeschichten erhalten: Berichte einer neuen Generation von Entführten, die ihre Bemühungen schildern, die Erfahrung auf eine Art zu erleben, die sie nicht für möglich gehalten hätten.
Mag sein, daß die meisten Entführten während des tatsächlichen Erlebnisses dann noch immer das Gefühl hätten, von einer überwältigenden Kraft gelähmt zu werden - das ist durchaus möglich. Falls die Außerirdischen tatsächlich intelligente Wesen sind, die auf uns reagieren wie wir auf sie, würde eine Veränderung auf unserer Seite auch eine Veränderung auf ihrer Seite provozieren. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, schließlich sprechen wir ja von Ufos.» (Thompson 1993:342-344)

Meine Gefühle und Gedanken arbeiten auf Hochtouren. Es ist nicht abzustreiten, daß das Geschehen auch seine angenehmen Seiten hat, denn es läuft bei intakter Bewußtheit ab und kennt überhaupt keine Tabus. Unter keinen Umständen darf diese "Vogel- und Narrenfreiheit" unterschätzt werden, denn sie ist wahrlich faszinierend. Verantwortlichkeit besteht einzig und allein gegenüber einem selber - und sonst niemandem gegenüber. Zudem ließe sich dieser Zustand problemlos zu einem Dauerereignis ausbauen. Die beiden Frauen - vor allem die eine, deren Lüsternheit mit der Zeit sogar zu einer Transformation (Umwandlung) der Gestalt führt - haben dies vollumfänglich getan.

Was mich angesichts dieses orgienhaften Geschehens bodenlos ärgert, ist meine Dummheit und Uneinsichtigkeit. Denn längst hätte ich diesen Weg erkennen und sogar praktizieren können. Er wurde ja in den Schriften über das Hexentum, die Sexualmagie und vor allem von Crowley immer und immer wieder zumindest angedeutet. Doch ich war zu blöd, um mir konsequent Rechenschaft darüber abzulegen, daß dieser Zustand bei Außerkörperlichkeit und vollster Bewußtheit entscheidend und effizient ausgebaut und gefestigt werden kann.

Wie ich die Verwandlung der einen Frau zu einem teuflischen Pferdekopf wollüstigster Art beobachte, wird mir mit aller Klarheit bewußt, daß es prinzipiell möglich ist, Sexualmagie zu betreiben! Gleichzeitig werde ich fähig, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen, denn das Wissen um die tatsächlichen Möglichkeiten des sexualmagischen Tuns liegt nun offen vor mir. Jetzt ist klar, daß Sexualmagie eine Realität wie jede andere Realität im Alltag ist. Sie kann sogar zu einer totalen und vor allem zu einer bewußt vollzogenen Form ausgebaut werden - und zwar mit allem, was dazu gehört. Hexensabbate sind eine Wirklichkeit und können von den daran Beteiligten "bei klarstem Verstand" durchgeführt werden. Auch "halbbewußte Gestalten", die bloß in der Lage sind, sich ihrer Sexualität ambivalent zu "bedienen", lassen sich miteinbeziehen und unter Umständen eindeutig mißbrauchen. Das alles tönt irrwitzig, ist aber schlicht eine Tatsache und als solche zu akzeptieren.

Ich mußte dies alles wohl am eigenen "Leib" erfahren, damit mir die Folgen naiver Anfängerpraktiken und unkritischen Herumprobierens wirklich bewußt werden. Denken und Tun wirken sich offensichtlich bereits im normalen Traumgeschehen aus und werden in ihren Konsequenzen spätestens "drüben" nach einem Austritt (d.h. im außerkörperlichen Zustand) sichtbar. Die Gefahr der sexual- und schwarzmagischen Prägungen und Konditionierungen durch Bücher ist offensichtlich so groß, daß sich allein schon durch das Lesen echte Probleme ergeben - und zwar ganz schwerwiegende.

So weit ich allerdings in diesem Erlebniszusammenhang sehen kann, geht es bei der Sexualmagie nicht um etwas unvorstellbar Abscheuliches. Vielmehr handelt es sich um eine gravierende geistige Entwicklungsblockierung, die nicht zu unterschätzen ist, da sie auf das Alltagsleben zurückwirkt und sich da sehr schlimm und bösartig - beispielsweise als Krieg - auswirken kann.

Was ich hier deutlich verspüre, ist das Flair der totalen Machbarkeit durch Anwendung von Sexualmagie. Begreiflich, daß hier eine unüberwindlich scheinende Blockade droht, in der Mann und Frau stecken bleiben können. Und wenn das geschehen sollte, ist ihnen deswegen nicht einmal ein Vorwurf zu machen. Daß ich mit diesen Überlegungen alle Konsequenzen des sexualmagischen Weges ausgelotet haben sollte, glaube ich nicht. Es werden im Rahmen dieser Praxis noch andere Dinge verborgen sein, von denen ich vorläufig nicht einmal etwas ahne. Zu vermuten ist dies aus dem Grunde, weil die lüsterne Frau sich zum Teil in einen Pferdekopf verwandelt hat. Mit den Spalthälften des Schädels gelingt es ihr, meinen Penis zu packen, einzuklemmen und schwer zusammenzudrücken. Sie droht ihn sogar zu zerquetschten. Bereits durchzucken mich grausame Schmerzen!

Erst im letzten Moment gelingt es mir, wegzukommen, weil die Frauen aufgrund ihres ungezügelten Tuns irgendwie den bewußten Anschluß an die momentane Ereignisebene verloren haben und 'weggedriftet' sind - an einen Ort, wohin ich ihnen lieber nicht folgen mag. Das Eingeklemmtwerden deute ich sogleich "symbolisch". (Anm.1) Es wurde versucht, meine eigene schöpferische Potenz lahmzulegen, womit Eigeninitiative und Eigenständigkeit ausgeschalten worden wären. Das dürfte gewissermaßen der Preis "an den Teufel" sein, den ich hätte bezahlen müssen für die Bewegungsfreiheit im Bereich der Sexualmagie. «Eine total verrückte Sache!»

Ich habe mich entschieden! Sexualmagische Praktiken sollen mich nicht blockieren! Auf mich harren andere Probleme, es gibt andere Verpflichtungen. Zudem muß ich bereit sein, die Verantwortung für das, was ich tue, zu übernehmen. Gewissermaßen die schlichte Feststellung, daß auch andere Aufgaben auf mich harren könnten, läßt mich aufstehen und weggehen - ohne daß irgendetwas mich hätte zurückhalten können. Weder ein Sog noch irgendeine Attraktion oder gar eine innere Tendenz in Richtung "Abenteuerlust" ist zu verspüren. So etwas steht nicht einmal zur Diskussion. Ich habe meine Wahl getroffen - endgültig und selbstverständlich. Es ist schlicht klar, daß es so und nicht anders ist und sein muß. Die Möglichkeit, Magie in irgendeiner Form zu betreiben, kommt für mich nicht in Frage.

Ein Dilemma ergibt sich höchstens aus dem mit all diesen Dingen verbundenen Wissen. Es ist für mich nicht leicht, mir selber eingestehen zu müssen, wie nahe der sexualmagische Weg liegt und wie bestechend leicht es gewesen wäre, einzusteigen. Jedenfalls werde ich nicht mehr sagen können, daß Menschen, die den Weg der Sexualmagie gehen, zu verwerfen oder zu verurteilen sind. Auch z.B. nicht, daß es ihnen an Willensschwäche gefehlt habe. Der Begegnung mit der Sexualmagie ist kaum zu vermeiden, denn der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Es gibt nur den etwas schmerzhaften Weg aus der Sackgasse einer egoistisch mißbrauchten Sexualmagie - und der muß bewußt beschritten werden. Es ist niemandem zu verübeln, wenn er sexualmagische Praktiken betreibt, denn er drückt damit "bloß" seine Körperlichkeit und zudem sein Kommunikations- und Machtbedürfnis aus.

Ich verlasse etwas nachdenklich jenes Haus, das als Sitz und Ursprung aller meiner Sexualpraktiken im außerkörperlichen Zustand betrachtet werden muß, und fliege zum Dach hinauf. Hier raste ich kurz und horche in mich hinein.

Schwierigkeiten mit der Sexualität sind keine mehr auszumachen - hoffentlich wird es so bleiben. Völlig beruhigt, ruhig und gelassen schaue ich mich um. Es existiert nirgends mehr der Wunsch, irgendjemanden oder irgendetwas suchen oder finden zu müssen. Damit ist eine Art Eigenständigkeit erreicht, wie ich sie noch niemals zuvor in diesem Zustand so unbeschwert erfahren habe. Es ist, als wäre eine ganz wesentliche Frage - nämlich die Sexualität - einer umfassenden Betrachtung unterzogen worden, und als wäre mir das Problem derart klar bewußt geworden, daß es nirgendwo - auch nicht im hintersten Winkel - irgendwie auf eine Unachtsamkeit lauern könnte und vorsichtshalber in Betracht gezogen werden müßte. Diese Angelegenheit ist für mich erledigt, sie spielt keine Rolle mehr - jedenfalls nicht mehr auf die bisherige Art. Diesen Stiefeln bin ich entwachsen, und ich kann nunmehr mit anderen Augen und mit einer bis anhin nie gekannten Leichtigkeit in die Welt hinaussehen.

Teil 3



Anmerkungen

Anm.1: «Ein Symbol, abgeleitet vom griechischen Wort symbolon ("Zusammengefügtes"), bezeichnet das Zusammengehen zweier Welten. Ein Ereignis, Wort oder Bild ist nicht "symbolisch", weil es für etwas anderes steht, sondern weil es auf mehr als seine offensichtliche und unmittelbare Bedeutung verweist und sich einer genauen Definition oder Erklärung entzieht, während es gleichzeitig unbewußte Bereiche anspricht.» (Thompson 1993:345)
Anm.1 Ende - zurück zum Text


Literaturverzeichnis

Matthews, John und Caitlin. Lexikon der keltischen Mythologie. München: Heyne (Sachbuch Nr. 19/280), 1994.
(Herausgegeben, übersetzt und bearbeitet von Michael Görden und Hans Christian Meiser unter Mitarbeit von Chris Burton - Titel der Originalausgabe: BRITISH & IRISH MYTHOLOGY. Die Originalausgabe erschien 1988 beim Verlag The Aquarian Press, London.)
Christoph Roos hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht.
zurück zu 'Peredur'


Thompson, Keith. Engel und andere Außerirdische UFO-Phänomene in neuer Deutung. München: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf: 1993.
(Aus dem Amerikanischen von Esther Mattille und Brigitta Neumeister-Taroni. Originaltitel: Angels and Aliens; Addison & Wesley, New York 1991.)
Christoph Roos hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht.
zurück zu 'Succubus/Incubus'
zurück zu 'Ufos'
zurück zu Symbol (Anm.1)


zum Anfang des Dokumentes

Konvertierung zu HTML Juli 1997
Homepage: http://www.oobe.ch
e-mail: werner.zurfluh@oobe.ch
©Werner Zurfluh