Sexualmagie und Dimensionswechsel
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18.9.1978

Werner Zurfluh
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Teil 2

Fortsetzung der Erfahrung vom 18. September 1978
Unvermittelt sehe ich in eine andere Welt, eine andere Dimension hinein. Der Ort, auf den ich "aus der Ferne" wie durch ein Fenster schauen kann, ist augenblicklich und zweifelsfrei als Versammlungsplatz von Leuten zu erkennen, die außerkörperlich sind und - wie ich selber - genau um ihren momentanen Zustand wissen. Mich erstaunt die Tatsache, jetzt eine solche Stelle direkt sehen zu können, und weiß sofort um die Notwendigkeit eines Hinfluges. Also fliege ich in einem großen Bogen in den Hof "hinunter" und wechsle dabei gleichzeitig die Dimension. Der Flug geht nur etwa über eine Distanz vom 50 Metern, ist jedoch mit einem Ebenenwechsel verbunden.

Die Dimensionen sind sozusagen ineinander verschachtelt, haben aber total unterschiedliche "Schwingungszustände". Das heißt, sie existieren "räumlich" an derselben Stelle, sind aber dennoch total voneinander getrennt. Es handelt sich also um eine eigenständige Parallelwelt, die nur erreichbar ist durch ein wippendes Umschlagen der eigenen Zuständlichkeit. Obwohl gewisse Dinge und Örtlichkeiten miteinander deckungsgleich sein können wie eben hier der Hof, bedeutet die Schnittmenge nicht, daß es zu einer Überlappung käme, bei welcher der eine Hof mit dem anderen identisch wäre. Dies kann sich äußerst verwirrend auswirken, speziell und meistens dann, wenn ein Austritt aus dem schlafenden Körper nicht "linear" als abschälendes Ablösen des Zweitkörpers in einem alltagsnahen Raum-Zeit-Gefüge erlebt wird, sondern als Hinübergleiten in eine andere Dimension. Der mit dem Austritt gleichzeitig geschehenden Dimensionswechsel ist begleitet von einer eklatanten, aber kaum je spürbaren Änderung des Schwingungszustandes. Oft ändert sich dabei die raum-zeitliche Dimension sehr stark.

Wie die hier erzählte Erfahrung zeigt, ist dieses Erleben nicht auf die Körperablösung im engeren Sinne als 'Austrittserfahrung' beschränkt, sondern kann irgendwann und irgendwo geschehen. Im Alltag dürfte es dann dazu kommen, daß Parallelwelten - wie durch ein Fenster gesehen - sichtbar werden. Es ist, als entstünde eine Transparenz, die den Blick auf eine andere Ebene freigibt. Viele UFO-Sichtungen dürften ihre Ursache darin haben, daß eben dies geschieht. Der physische Körper kann dabei sehr wohl "an Ort" bleiben oder sogar seine Raum-Zeit-Koordinaten ändern, also z.B. im Auto weiterfahren oder im Flugzeug weiterfliegen. Kompliziert wird es, wenn sich der Zweitkörper nur geringfügig ablöst, also eigentlich an "derselben" Stelle sich befindet wie der physische Körper - dies aber von der betreffenden Person nicht bemerkt wird.

Im Hof stehen etwa ein gutes Dutzend Leute in kleinen Grüppchen herum und sprechen miteinander. Sie alle sind "Träumer" wie ich selber. Meine Ankunft erregt ein bißchen Aufsehen - aber nur ganz am Rande. Viele wundern sich, mich als Einzelperson herkommen zu sehen. Es scheint nur sehr selten vorzukommen, daß jemand "aus eigenem Antrieb" die Technik des Austritts erlernt und zudem die Kontinuität des Ich-Bewußtseins beibehält. Ich habe sogleich das Gefühl, hier ein Außenseiter zu sein. Eine Welle von Ablehnung schwappt mir entgegen, die mir allerdings nichts ausmacht, denn sie ist glücklicherweise nur ganz mild und diffus. Eine gewisse Anerkennung schwingt immerhin mit, auch wenn sie eher widerwärtig gewährt wird. Die hier Anwesenden wollen offensichtlich mit mir nichts zu tun haben, denn ich bin ihnen doch zu 'unheimlich' und scheine den Gepflogenheiten total zu widersprechen.

Da ich immer schon davon überzeugt gewesen bin, daß die Wirklichkeit aus einem Tag besteht, der 24 Stunden umfaßt, schien es mir stets unangebracht, nur passiv schlafend in die Nacht hineinzugehen - und bestenfalls darauf zu warten, daß ein Traum aufsteigt, der erinnert werden kann. Das Geschehen auf der "anderen Seite" war mir schon als Kind zu wichtig, um in einem abwertenden Wortsinn als `traumhaft' abgetan zu werden. Vielmehr ließ sich stets etwas aus dem nächtlichen Geschehen lernen, zumindest aber stellte es ein weites und abenteuerliches Feld dar, hinter dem der Alltag nur allzu oft stark nachhinkte. Der als Kind unternommene Versuch, die nächtliche Welt der Alltagswelt als gleichberechtigt gegenüberzustellen, scheiterte natürlich am Widerstand der Erwachsenen. Es konnte aber auch sein - sagte ich mir -, daß sie viel mehr wußten als sie sagen wollten, denn wie oft hieß es doch bei verschiedensten Gelegenheiten: "Das kannst du noch nicht verstehen!" Was tun? Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als die "Traumwelt" selbst zu erforschen statt den "normalen Schulungsweg" zu gehen - und autodidaktisch die für die Außerkörperlichkeit notwendigen Schritte zu erlernen.

Ich setze im Hof in der Nähe zweier mir bekannt scheinenden Personen zur Landung an. Der eine entfernt sich sofort - "er macht sich aus dem Staub". Der andere hat einen merkwürdigen Tick und zuckt immer wieder mit dem Kopf. Ich trete zu ihm und sage, da ich ihn vom Alltag her kenne:
"Sie sind auch da!?"
Dies sage ich mit dem Unterton einer leichten Verwunderung, gleichzeitig aber auch aus einer gewissen Abwehrhaltung heraus, welche die Peinlichkeit übertünchen soll, die durch meine unerwartete Anwesenheit entstanden ist. Ich möchte höflicherweise von mir aus ein Gespräch beginnen, statt einfach vorwurfsvoll und provokativ stehen zu bleiben und die Initiative jemandem aufzwingen, der nur deshalb die Suppe für die anderen auslöffeln muß, weil er mich zufälligerweise kennt bzw. kennen sollte.

Der Mann hält sich trotz der etwas verwirrenden Situation gut und antwortet sachlich - keineswegs gehässig oder bestürzt. Er ist fähig, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, macht kein Aufheben wegen meines überraschenden Hierseins und meint:
"Ja - ich habe vermutet, daß Sie dabei sein könnten, denn Sie haben bei Gelegenheit auf gewisse Zusammenhänge hingewiesen. Das ließ darauf schließen, daß sie 'im Bilde' sind."
Nun hätte ich natürlich eine Menge zu fragen, z.B.: Wie sind Sie zu dieser Sache gekommen? Was hat das hier überhaupt für eine Bewandtnis? Wie lange besteht diese Gruppierung schon? Aber ich verzichte auf die Fragerei, denn der Gesprächspartner scheint keinerlei Lust zu haben, mit mir zu sprechen - aber er wäre gezwungen gewesen, mir zu antworten.

Nach einem kurzem Abschied gehe ich zu einer Pforte, zu der alle Leute streben. Bald wird klar, daß eine Art "Generalversammlung" stattfinden soll, zu der alle hier Anwesenden haben erscheinen müssen. Übrigens ist der Hof sehr hübsch gestaltet. Die Asphaltflächen werden von vielen Busch-, Baum- und Blumengruppen aufgelockert - gartenarchitektonisch ein Meisterwerk! Etwa 4-6 Stufen führen auf eine höhere Ebene. Etwa die gleiche Anzahl Stufen, die mehrere Meter breit sind, geht es hinauf zu einem Pavillon. Auf dem kleinen Vorplatz drängen sich die Leute bei einem Tisch, wo sie sich ausweisen müssen, um passieren zu können.

Unter den Anwesenden ist jemand auszumachen, der mir bekannt vorkommt und den ich eigentlich kennen müßte. Aber ich kann mich nicht erinnern, diesen Mann schon mal im Alltag, d.h. auf der physisch-materiellen Ebene, gesehen zu haben. Er ist groß und hager, besitzt ein tief braunes und scharf geschnittenes Gesicht, einen strengen Ausdruck und stechende Augen, die etwas überheblich wirken.

(Zwischenbemerkung: Am 15.12.1977 begegnete mir in einem luziden Traum ein älterer, hagerer Mann mit schmalem Gesicht von "südamerikanischem" Aussehen, der ziemlich hart aussah. Sowohl seine Gestalt als auch seine Ausstrahlung haben entfernte Ähnlichkeit mit der heute, am 18.9.1978, gesehenen Person.)

Der Mann ragt durch seine Wesensart aus der "Masse" heraus und scheint etwas "Besonderes" zu sein. Kaum hat er mich erblickt, ruft er mich auf eine Art an, die darauf schließen läßt, daß er mich längst kennt. In mir sträubt sich alles, denn sein Tonfall ist nicht nur autoritär sondern - und vor allem - auch besitzergreifend. Er tut so, als wäre er immer schon mein Lehrmeister gewesen und bezeichnet sich lauthals als mein "Pate" bezüglich der Außerkörperlichkeit und der Kontinuität des Ich-Bewußtseins. Jetzt erwartet er von mir kritiklose Unterwürfigkeit und Dankbarkeit! Ich sehe aber beim besten Willen nicht ein, weshalb er dazu ein Recht haben sollte. Ich kann mich nämlich nicht erinnern, von diesem Manne unterrichtet worden zu sein. Im Gegenteil, er muß mich - als es darauf ankam - schnöde im Stich gelassen haben, weshalb ich gezwungen war, allein herumzuprobieren. Der Mann ist alles andere denn ein wirklicher Pate gewesen und hat seine Aufgaben in keinem Moment erfüllt.

Allerding soll diesem Manne auch kein Unrecht geschehen. Voreiliges Handeln wäre fehl am Platze, denn seine Worte und Anspielungen sind für mich eigentlich unbedeutend und betreffen keine prinzipiellen Dinge. Es besteht somit kein Grund, ihm eins "auszuwischen" oder sogar einen Streit vom Zaun zu reißen. Letzteres hätte sich für mich auch fatal auswirken können. Es dürfte aufgrund meiner doch relativ heiklen Lage klüger sein, abzuwarten. Mal sehen, was der Mann tun wird. Er will sich wohl eher vor den Anwesenden aufspielen und damit angeben, daß ich einer seiner Schüler sei. Je nun denn, soll er tun, was er nicht lassen kann! Sollte er jedoch später darauf insistieren, dann müßte ich ihn mal zur Rede stellen. Vorerst ist es harmlos. Zudem scheinen alle Anwesenden andere Probleme zu haben. In der nächstens stattfindenden Sitzung wird es allem Anschein nach um etwas außerordentlich Wichtiges gehen.

Der dunkel gekleidete, scheinbare Pate streckt mir seine Hand entgegen. Es kommt zu einem sehr merkwürdiges Händeschütteln, bei dem versucht wird, mir eine Art Unterwerfung abzuringen. Ich lasse mich nicht darauf ein und kann diese Weigerung gut mittels der Stärke des Händedrucks übermitteln. Daraufhin kommt es unauffällig zum Abbruch der Versuche, von mir eine Unterwerfungsgeste zu fordern. Wichtig ist aber auch, daß dieser Rückzug unauffällig und damit ohne Gesichtsverlust seinerseits geschehen kann.

Als nächstes bietet mir der Mann das "Du" an. Irgendwie gelingt es, dies abzulehnen, indem ich das Anerbieten unauffällig "überhöre". In der Folge ergibt sich zum Glück keine weitere Gelegenheit mehr zu einem Gespräch. Dieses Problem bin ich also vorerst mal los. Jeder weitere Kontakt mit dem "Paten" bricht ab, denn er setzt sich auf einen Stuhl in der Nähe des Tisches und tut so, als wäre nichts geschehen. Unbehelligt kann ich vorbeigehen und den Versammlungsraum betreten.

Die meisten Leute sind schon im Saal und haben Platz genommen. Es ist ganz genau zu spüren, wo ich mich nicht hinsetzen darf. Nur in der Mitte des Saales kann ich mich aufhalten, denn alle Leute müßen mich im Auge behalten können. Zudem bin ich einem mir gänzlich unbekannten Faktor unterworfen, dessen Stärke die meinige und die aller Anwesenden bei weitem übersteigt. Weil eine gefestigte hierarchische Struktur unsichtbar anwesend ist, kommt es bei mir zu einem innerlichen Aufbäumen. Durch dieses Widerstreben wird aber die Diskrepanz zu allen anderen Leuten, die hier sind, noch viel deutlicher erkennbar. Als einziger bäume ich mich vehement gegen den unfaßbaren und zwanghaften Druck auf - und merke bald, daß ich als Rebell gelte, vor dem sich alle ängstigen. In meiner Person steckt für die anderen das aufrührerische Element. Alle meinen wohl, mit mir werde es ein ganz schlimmes Ende nehmen, weil ich mich gegen "DIE" auflehne.

Im Buch von Jean Markale über die Druiden las ich eine Anmerkung, die darauf hinweist, daß die von mir bei vielen Gelegenheiten zutiefst empfundene Ablehnung hierarchischer Vorstellungen und Denkweisen einen durchaus berechtigten Hintergrund hat: "Moderne neo-druidische Spekulationen über die Irrfahrten des Menschen durch verschiedene Kreise der Existenz, über Abred, die Welt des menschlichen Handelns ferner Gwenved, die ,Weiße Welt', oder andere Vorstellungen wie die von einem ,Paradiesischen Kreis' und von Keugant, einem `Kreis der Leere', worin das Göttliche wohnt, entbehren jeder Grundlage. Diese Welt-Hierarchien sind keineswegs alte Überlieferungen, sondern gehen auf lolo Morganwg, den Begründer des walisischen Neo-Druidentums gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts, zurück. In den walisischen und irischen Texten des Mittelalters wird man dagegen Begriffe wie Abred, Gwenved oder Keugant vergeblich suchen" (Markale 1989:284 Anm. 28).

Überaus wichtig ist für mich, daß sowohl beim Austritt wie bei der Rückkehr die BK vollumfänglich erhalten bleibt. Denn nur die `durchgehende' Bewußtheit und mit ihr die `totale Erinnerung' kann zwischen den getrennten Dimensionen der Anderwelt und der Alltagswelt vermitteln und damit die Eindimensionaltät zur Multidimensionalität auffächern. Diese Auffassung widerspricht sozusagen allen gängigen Meinungen.

Einerseits ist für das hierarchische Denken die Alltagswelt weitgehend von jeglichem Zauber entkleidet und die Lebenskunst besteht schlechthin darin, die ordinäre Welt der Alltagsordnung auf die Zwecke der Ökonomie schrumpfen zu lassen. Andererseits gelten Traum, Märchen und Mythos ihrerseits wieder als eindimensional und als in sich geschlossen. Ein direkter Bezug ist nicht möglich, höchstens als Spuk und bedrohliche Fremdheit der jeweils anderen Welt.

Als `Rebell', dem diese Trennung überhaupt nicht zusagt, strebe ich ein bewußtes, kontinuierliches Erleben beider Seiten als `Doppelung' an. Der Alltag ist zu öffnen für den Zauber, das Wundersame, die Unendlichkeit und die Ewigkeit des Ganz-Anderen, während die Anderwelt(en) den Durchgang zur Alltagswelt nicht verschlossen halten dürfen, indem sie in Unsichtbarkeit, Unverständlichkeit und Wortlosigkeit verharren - oder gar das Gespräch verweigern und sich in eine Verwandlung flüchten, wenn sie von einem luziden Ich direkt angesprochen werden. Die rebellische Forderung eines Sowohl-Als-Auch ist ein Verrat am Entweder-Oder.

Ich kann es mir nicht erklären, weshalb "DIE" mich leben lassen und nicht umbringen. Es wäre für sie bestimmt ein Leichtes, mich zu vernichten bzw. den außerkörperlichen Zustand zu beenden, das Bewußtsein auszuradieren und mich ins Vergessen zu stürzen. In mir müssen somit Faktoren verborgen sein, von welchen ich aber auch nicht die leiseste Ahnung habe. Nur in ihren Auswirkung sind sie für mich faßbar, denn sie bedingen offensichtlich meinen rebellischen Charakter. Für zukünftige Ereignisse scheint dies aber für "DIE" sehr wichtig zu sein. Meine Wesensart wird noch gebraucht! Es ist eine immense Aufgabe, zu deren Bewältigung einzig jemand in Betracht kommt, der auch "Nein" zu sagen weiß. Außerdem darf eine hierarchische Struktur nicht einfach so hingenommen werden. Es muß die Befähigung vorhanden sein, diese prinzipiell in Frage zu stellen.

Nach wie vor rebelliere ich aber nicht offiziell, denn es gibt keinen äußeren Anlaß, der ein solches Verhalten legitimiert hätte. Hingegen ist beinahe "körperlich" zu spüren, wie eine starre Hierarchie hier alles durchtränkt. Das allerdings ödet mich total an. Der in mir aufwallende stille Protest ist für "DIE" sicher deutlich spürbar. Zwar bin ich bereit, gewisse Dinge einfach so hinzunehmen, denn ich anerkenne durchaus ihre Existenz und akzeptiere sowohl ihre überragende Macht als auch ihr gigantisches Wissen. Aber deswegen sind "DIE" für mich keineswegs "tabu". Nur weil ihre Macht unfaßbar zu sein scheint, sind sie doch nicht unhinterfragbar, unfehlbar und unantastbar.

Auf Befehl den "gesunden Menschenverstand" einfach so aufgeben!? Niemals! Nun denn, es gibt jetzt gerade keinen Grund, aufzubegehren. Ich bin bereit für das, was geschehen soll, nämlich mich selber als "Medium" zur Verfügung stellen! Ok!

Bald ist es soweit. Fremde Wesen - deren Herkunft unbekannt bleibt und von deren Aussehen niemand hier im Saale auch nur die mindeste Vorstellung oder die entferntesten Ahnung hat - sprechen durch meinen Mund. Ich höre sehr, sehr aufmerksam zu und sehe wahrscheinlich im Gegensatz zu allen hier im Saale Anwesenden die Sache distanziert und nüchtern. Vermutlich ist auf irgendeinem Planeten in der Galaxis - unfaßbar weit von unserer Erde entfernt - eine Sitzung von Seelenreisenden von sehr hohem Range einberufen worden. Dieses Treffen muß für sie und für uns hier auf der Erde von überragender Bedeutung sein, denn es geht um prinzipielle Entscheidungen. Bei den zu treffenden Entscheidungen sollen außer mir noch zwei weitere Leute, welche die Fähigkeit haben, im außerkörperlichen Zustand bewußtseinskontinuierlich zu sein, eine wesentliche Rolle spielen.

Das für mich Irrwitzige an der Sache ist, daß meine Zunge eine fremde Sprache spricht, die ich noch niemals gehört habe. Offiziell darf ich sie auch nicht verstehen. Aber für mich ist beinahe alles von dem verständlich, was da durch meinen Mund zu den Anwesenden spricht. Keiner der Anwesenden merkt, daß ich die Sprache irgendwann und irgendwo verstehen gelernt habe. Die "Großen Seelenreisenden", die durch mich sprechen, werden höchstwahrscheinlich wissen, daß ich sie verstehe, sind aber möglicherweise der Meinung, daß dies den Leuten hier verborgen bleiben kann. Ich selber habe nicht die leiseste Vorstellung, warum dies so sein muß. Es scheint aber von Bedeutung zu sein, daß meine Fähigkeit von den Anwesenden unter keinen Umständen entdeckt wird.

Es geht um wichtigste Dinge, vor allem aber darum, daß auf der Erde sich umwälzende Ereignisse anbahnen, deren Größenordnung alles Bisherige in den Schatten stellt. Nicht zuletzt geht es um das Problem des bewußten Seelenreisens, um die bewußt vollzogene Außerkörperlichkeit und Verwandtes. Irgendwie scheint sich ein riesiger Kampf in Form einer "überdimensionierten" Auseinandersetzung um diese Dinge abzuspielen. Dabei soll unter anderem auch der Mann, durch den "DIE" sprechen, eine Rolle spielen ("Uff!" denke ich still). Dann 'quillt' mein Name in fremdländischer Verzerrung laut aus meinem Munde !

Anschließend kommt das, was mich beinahe "unter den Tisch" haut. Es kostet mich alle erdenkliche Anstrengung, nicht sichtbar werden zu lassen, daß ich die fremde Sprache verstehe. Eine der Stimmen sagt folgendes: (Es sind verschiedene "Große Seelenreisende", die durch mich sprechen. Das ist an den unterschiedlichen Stimmlagen und Sprechgewohnheiten feststellbar. Bei manchen Sprechern muß ich die letzten "physischen" Reserven herausholen, um auf die Art zu sprechen, die in ihrer Absicht liegt. Einige "Große Seelenreisende" scheinen zudem ein unvorstellbares Alter zu haben, was an deren Stimmen zu erkennen ist - weit mehr als 1000 Jahre (!).):

"W..ern..r ..Zrf..lh .i..st..en..Vrrä..tr!", so meine "Übersetzung". Die Fremdsprache gibt hier zwar einige Andeutungen in Richtung einer deutschen Sprechweise. Diese sind aber nicht zu beschreiben. Ich verstehe zudem ganz automatisch, denn - wie erwähnt - lernte ich diese Sprache autodidaktisch.

Der Verräter gehört wie die Hexen, Fahrenden und Wahnsinnigen zu den Außenseitern der Gesellschaft. Im Gegensatz zu einem Helden oder Märtyrer wird ihm eine negative und destruktive Rolle zugesprochen. Denn ein kulturelles Selbstverständnis mit seinen zentralen Werten ist auf Erhaltung und Kooperationsbereitschaft angewiesen. Damit sich ein solches Selbstverständnis aber als Prinzip und als Dogma durchsetzen kann, müssen alle jene Faktoren, die scheinbar oder tatsächlich systemgefährdend sind, zum Schweigen gebracht werden. Hierfür werden - wie Michel Foucault in "Wahnsinn und Gesellschaft" gezeigt hat - Methoden der Macht und Unterdrückung ausgebildet und etabliert.

Der Satz überrascht mich zutiefst. Wie alle im Saal Anwesenden begreife ich den Sinn des Gesagten:
"Der Sprecher wird ein Verräter dieser Sache sein!"
Ein Murmeln geht durch die Ränge und wird laut und lauter. Stühle rücken hin und her, Füsse scharren und Fäuste werden geballt. Gleich wird man sich auf mich stürzen. Alle haben es nun von höchster Stelle vernommen, daß es mit mir eine besondere Bewandtnis hat. Sie hatten nur einen Verdacht, aber jetzt haben sie es definitiv verstanden, daß etwas mit mir nicht stimmt. Die Frage läßt sich nicht mehr abweisen und lautet jetzt: Wie kommt jemand dazu, als Autodidakt selber die notwendigen Techniken zu entwickeln? Das gibt es doch gar nicht, denn es widerspricht allen bisherigen Erfahrungen!

Teil 4



Literaturverzeichnis

Markale, Jean. Die Druiden - Gesellschaft und Götter der Kelten. (Le Drudisme - Traditions et Dieux des Celtes) Aus dem Französischen übertragen von Béatrice Bludeau und Wieland Grommes. München: Goldmann Nr. 11474, 1989
Christoph Roos hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht.
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