Sexualmagie und Dimensionswechsel
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18.9.1978

Werner Zurfluh
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Hinweis: Der Text des Protokolls vom 18.9.1978 ist eingerückt, das andere wurde im Juli 1997 geschrieben. Der Umfang der Erfahrung vom 18. September 1978 ist vielleicht etwas ungewöhnlich - und doch wurde das Geschehen an keiner Stelle ergänzt, sondern stellt einzig die Niederschrift dessen dar, woran ich mich erinnern konnte. Die Steigerung des Gedächtnisses kann zwar Jahre dauern, ist aber eindeutig eine Frage der ernsthaften Auseinandersetzung mit allen Arten von nächtlichen Erfahrungen - also auch mit den "ganz gewöhnlichen" Träumen.

18. September 1978
Mit dem "leisen Zweifel" des I Ch'ing wiederhole ich in der Einschlafphase immer wieder die Frage: «Wer verläßt den Körper?» Ich bin nicht so naiv, zu meinen, ich hätte nun begriffen, was mit Hua t'ou ("Fokussierung eines bestimmten Gedankens") und I Ch'ing ("Zweifel") im Buch von Lu K'uan Yü "The Secrets of Chinese Meditation" gemeint ist. Immerhin erweist es sich, daß mit dieser "einsilbigen Frage" das Einschlafen irgendwie "geordneter" abläuft. Bis Ende Monat will ich auf jeden Fall "nur" diese Technik anwenden (neben dem "Gagele" (Anm.1)), um mit deren Hilfe beim Einschlafen die Kontinuität des Ich-Bewußtseins beizubehalten. Die damit verbundene Disziplinierung ist für den bewußten Übergang vom inner- in den außerkörperlichen Zustand notwendig.

Der Übergang in den Schlafzustand des physischen Körpers ist heute sehr schwierig. Unsere Tochter hatte in ihrem Zimmer das Fenster geöffnet und die Tür nicht geschlossen! Folglich sirren ein paar Mücken in der Wohnschlafstube herum! Meine Frau geht entnervt alle paar Minuten auf Mückenjagd, denn sie wird vor allem gestochen. Das bedeutet, daß ich immer wieder aus der Einschlafphase herausgerissen werde - spätestens nach einem lauten Klatsch! Dann beruhigt sich die Hektik wieder.

Aufgrund dieses andauernden Hin und Her "vergesse" ich manchmal, den Satz "Wer verläßt den Körper?" zu wiederholen. In der Folge kommt es sofort zu einem Abaissement. Die damit verbundene Minderung der Bewußtheit drückt sich darin aus, daß eine wirre Vielfalt von Bildern aufquillt! Die anbrandende Flut ist allerdings zu heftig von Tagesresten und Ideoplastien (Gedankengebilden) durchwoben, als daß sie hätte gefaßt und erinnert werden müssen.

Speziell die "chaotische" Eigenschaft der Übergangsphase vom Wach- in den Schlafzustand (hypnagogischer Zustand) erfordert eine Disziplinierung (eben Hua t'ou). Nur mittels eines kontinuierlich sich selbst bewußt bleibenden und selbstkritischen Ich (I Ch'ing) kann der andauernde Strom der Vorstellungen beendet werden. Ohne einen "reinigenden Stopp" bzw. ein Innehalten und Anhalten wird die Bewußtheit vom Strudel der Ereignisse absorbiert - und es ist keine Bewußtseins-Kontinuität möglich. Die Gedanken fließen "normalerweise" andauernd an einem vorbei. Nichts läßt sich einfangen und eine Sensation überblendet die andere. Das Ich bleibt im Schwall der Bilder gefangen und befangen - bis hin zum totalen Blackout. Schließlich ist es "ausgelöscht" und - wie der physische Körper - eingeschlafen.

Bei mir ist ein einziges Auf und Ab. Mal kann ich Hua t'ou machen, mal "verpasse" ich es. Dann wälze ich mich wieder schlaftrunken hin und her und erwache beinahe (im physischen Körper). Es gelingt immerhin, stets wieder auf die Absicht zurückzukommen, in der Übergangsphase bewußt zu bleiben. Vielleicht "erwache" ich gerade deswegen schlagartig zu einer absolut klaren Bewußtheit - als wäre ich brutal geweckt und "aus dem Schlaf gerissen" worden - wohl wissend, daß der physische Körper davon nicht betroffen ist!

Diese Art der "Körperablösung" geschieht blitzartig und ist nicht vom Gefühl des Austritts eine Zweitkörpers vom im Bett liegenden Leib begleitet. Dabei kann es zu einem unverzüglichen Wechsel der Szenerie kommen. Um die kontinuierliche Bewußtseinsklarheit dabei nicht zu verlieren, braucht es eine gewisse Übung und vor allem ein kritisches Wissen um die Tatsache, daß bewußtes Ich und physischer Körperzustand nicht identisch sind. Das Ich kann durchaus hellwach sein, während der Körper schläft! Die größte Schwierigkeit besteht darin, daß die sprachlichen Gewohnheiten dieser Denkweise widersprechen.

Viele meinen, sie müßten eine Ablösung des Zweitkörpers in die Wege leiten und konzentrieren sich voll darauf, z.B. mittels einer Visualisierung. Manchen gelingt es auf diese Weise, das bewußtseinskontinuierliche Ich vom einen auf den anderen Körper zu übertragen. Andere wiederum haben weder mit dieser noch mit einer anderen "Methode" oder "Technik" Erfolg. Das Problem besteht darin, daß etwas Dinghaftes wie eben der Wechsel vom inner- in den außerkörperlichen Zustand angestrebt wird. Dabei sind stets irgendwelche körperhaften Vorstellungen mitbeteiligt. Doch grundsätzlich geht es überhaupt nicht um einen "Austritt", sondern bloß darum, bewußtseinskontinuierlich zu bleiben, d.h. daß das Ich während des Einschlafens des physischen Körpers wach bleibt! Was dann konkret geschieht, wird sich zeigen. Es kann zu einem Austritt kommen, muß aber nicht. Der Wechsel kann durchaus übergangslos und blitzartig geschehen - und das Ich findet sich in einer gewohnten Umgebung wieder - oder ist mit einem Male in einer total unbekannten Weltenebene!

Mit der Verlagerung der Aufmerksamkeit von einem Ereignis auf die Bewußtheit erweist sich die Diskussion, ob es sich bei einer Erfahrung um eine AKE (OOBE) oder um einen Klartraum (einen luziden Traum) handelt, als zweitrangig. Offensichtlich gibt es unzählige Erfahrungsmöglichkeiten - aber nur ein bewußtseinskontinuierliches Ich. Die Konzentration auf die Frage "Wer verläßt den Körper?" kann außerdem zur Einsicht verhelfen, daß das Ich einzig mit sich selbst identisch ist und als Bewußtseinseinheit überhaupt keiner Körperlichkeit bedarf, also auch keines Zweitkörpers (Astralkörpers). 1978 war mir dies übrigens noch nicht in aller Konsequenz klar.

Plötzlich bin ich in einem Estrichzimmer! Ich erkenne den Raum sogleich als früheren Arbeits- und Schlafraum, in dem ich - etwas abgesondert von der elterlichen Wohnung - in meiner Jugendzeit gelebt habe. Von hier aus starteten beinahe jeden Abend nach einem Austritt meine "Astral-Exkursionen". Es erstaunt mich, gerade hierhin verbracht worden zu sein.
«Wie kann dies raum-zeitlich überhaupt möglich sein? - Die Eltern leben nicht mehr in diesem Haus. Der Estrich ist schon längst zu einer Wohnung ausgebaut worden. Die räumlichen Verhältnisse sind also nicht mehr dieselben wie früher!»

Nun ist es derart dunkel, daß nicht einmal die Umrisse der Möbel zu sehen sind. Deshalb ist es mir nicht möglich, die Gegenstände genau zu betrachten, und es läßt sich nicht entscheiden, ob es in den letzten 14 Jahren Änderungen gegeben hat. Der Raum existiert in der früheren Form nur noch als Gedächtnisinhalt, denn ich habe diesen Ort in der Zwischenzeit nie mehr gesehen!

«Es wäre vielleicht interessant, etwaige Unterschiede festzustellen. Aber dies scheint jetzt nicht von Bedeutung!»
Grundsätzlich verspüre ich nicht die geringste Lust, ein "Bereinigungsverfahren" durchzuführen und das Vorhandene mit den Erinnerungen zu vergleichen. Dazu bin ich doch irgendwie zu unmotiviert. Außerdem fühle ich mich leicht depressiv und von einer Resignation ergriffen, wie das manchmal auch tagsüber im Alltag der Fall ist.

«Shit - wer mag sich denn überhaupt für diese Sache im Zusammenhang mit der Außerkörperlichkeit interessieren? Erkenntnistheoretisch scheint es derart viele Fallstricke zu geben, daß es so oder so ein unmögliches Unterfangen ist, hier weiterzuarbeiten. Ach - was sollen denn alle meine Bemühungen? Was bringt es denn überhaupt außer zusätzlicher Arbeit? Was krampfe ich mich da ab für eine derart unsichere Sache?»
Diese und ähnliche Lamentos wälzen durch meinen Kopf.

Vor allem das Resignieren war für mich ein überaus "gefährlicher" Faktor, denn es brachte mich beinahe dazu, den "Bettel hinzuschmeißen" und machte mir echt den "Verleider". Es fiel mir manchmal ungemein schwer, am Konzept der KA-BK (Körperablösung-Bewußtseinskontinuität) zu arbeiten.

Am liebsten würde ich jetzt das Ganze hinschmeißen und aufhören. Glücklicherweise ist es mir nicht so "ernst" damit. Aber eine zeitlich begrenzte Trödelei läßt sich nicht vermeiden. Im Alltag würde ich nun faul herumliegen und TV gucken - oder sonst irgendetwas ohne Aufwand tun. Jetzt lasse ich mich einfach gehen und sage mir:
«Was sollen denn all die Mühen? Viel angenehmer wäre es, die Außerkörperlichkeit und die Bewußtheit zu nutzen, um ein kleines Abenteuer zu erleben und eine willige Dame zu suchen, mit welcher sich allerlei Schabernack treiben läßt!»

Dieser Gedanke wirkt sich sogleich auf die Sexualebene aus! Dabei wirken sich im jetzigen räumlichen Zusammenhang vor allem Erinnerungen an frühere Zeiten aus. Damals war die Verantwortung in diesem Zustand kaum ausgeprägt! Außer Fliegen und sexuellen Betätigungen wurde im bewußtseinskontinuierlichen Zustand der Außerkörperlichkeit kaum etwas anderes unternommen! Kaum hatte ich die Scheibe durchdrungen und war aus dem Fenster rausgeklettert, galt es, eine junge Frau ausfindig zu machen. Manchmal - nicht immer - war das Vorhaben von Erfolg gekrönt.
Wahrscheinlich fanden sich doch einige "verwandte Seelen", die ausschließlich sexuelle Bedürfnisse hatten. In der Pubertät kann dies vielleicht noch toleriert werden, aber später ist eine derartige Verhaltensweise doch eher "kindisch-infantil".

So etwas wie ein schlechtes Gewissen entsteht doch, als ich daran gehe, die Wohnungen in diesem Hause näher zu erkunden - in der Hoffnung, neue Mieter zu finden, mit denen sich was in sexueller Richtung anstellen ließe! Diese Absicht entschuldige ich mit dem fehlenden Interesse meiner Umwelt an anderen Dingen. Gleichzeitig bin ich mir aber auch bewußt, daß gerade dies keine Entschuldigung sein kann! Doch es fehlt mir die Kraft, anders zu handeln - vor allem deshalb, weil kein Konzept vorhanden ist, was im außerkörperlichen Zustand bei vorhandener Bewußtseinskontinuität getan werden könnte. Es ist auch so, daß ein sexuelles Engagement meist gelingt, während andere Intentionen oft schief gehen oder nur von spärlichem Erfolg gekrönt sind. Möglicherweise hängt das tatsächlich damit zusammen, daß unserer Gesellschaft von Sexualität "durchtränkt" ist .

Im Gang ist es dunkel! Dennoch fällt es mir nicht schwer, mich zu orientieren, denn die Örtlichkeiten ist mir sehr gut von früher her bekannt. Ich kann sie auch heute noch "blind" begehen. Jemand scheint in der Estrichwohnung in einem Zimmer zu sein. Da schaue ich nicht hinein, denn merkwürdigerweise verunsichern mich plötzlich etwelche Skrupel. - Und weiter geht's zum Treppenhaus. Beim Hinuntersteigen in den 2. Stock verschwinden die Bedenken wieder. Nun gilt es, eine der Wohnungen zu "untersuchen", aus der "ansprechende" Schwingungen kommen.

Die geschlossene Wohnungstür - mit einem Schildchen, auf dem ein unleserlicher Name steht, der mit "Dr." beginnt - ist trotz eines materialbedingten Widerstandes leicht zu durchdringen. Dann muß ein Gang durchschritten werden, von dem aus diverse Räume zu erreichen sind. Deutlich zu spüren ist jetzt, daß eine Frau, deren Mann als Offizier gerade Militärdienst leistet - so die in den Schwingungen enthaltenen Informationen -, allein im Schlafzimmer sein muß. Das erleichtert die Sache doch wesentlich! Die Tür ist schnell einmal durchdrungen. Im Doppelbett liegt tatsächlich nur eine weibliche Person - und zwar auf der rechten Seite.

Die Frau spürt irgendwie meine Anwesenheit und merkt auch bald, worum es geht. Zunächst beginnt sie zu lamentieren, denn sie schwankt zwischen Ablehnung - aufgrund der Vorstellung, Sex sei sündhaft - und erwartungsfroher Freude, ist also total ambivalent eingestellt. Es ist jedoch genau zu merken, daß ihre Abwehrhaltung unbegründet ist und bloß die Meinung des Kollektivs und ihre Verdrängungen widerspiegelt.

Beim Ansichtigwerden des inneren Kampfes dieser im Schlaf liegenden und sich selber kaum bewußten Frau, komme ich mir beinahe schon wie ein Miesling vor. Deutlich ist nämlich zu erkennen, daß sie den inneren Kampf grundsätzlich bereits entschieden hat. Lustvoll und geil spreizt sie die Beine auseinander, um den Incubus in meiner Person herankommen zu lassen.

Keith Thompson schreibt in Engel und andere Außerirdische - UFO-Phänomene in neuer Deutung: «Unsere Vorfahren wußten, wie wichtig es war, mit seinem eigenen Doppelgänger, seiner Doppelgängerin, dem Dämon (auf Lateinisch 'genius' genannt; 'Schutzengel' in der christlichen Religion; 'reflex man' in Schottland; 'vardogr' in Norwegen (Anm.2) in engem Zwiegespräch zu leben. Es bedeutete, daß man sich bemühte, den 'Dämon' zu entwickeln, damit dieses Geistwesen einem während des gesamten vergänglichen Lebens und hinein ins nächste Menschenleben half. Menschen, die sich nicht um ihr persönliches Anderes kümmerten, wurden zu bösen, bedrohlichen Wesen, genannt 'larvae', die gern nachts über verängstigt in ihren Betten Liegenden schwebten und Menschen in den Wahnsinn trieben.» (1993:230)

Das ist zwar ein interessanter Gedanke, aber es sollte nicht vergessen werden, daß der 'Doppelgänger' nicht einfach mit dem 'Schatten', d.h. der negativen Seite der Persönlichkeit, identisch ist - obwohl dies oft der Fall sein mag. "In engem Zwiegespräch mit dem 'Doppelgänger' leben" heißt zuallererst einmal, zu lernen, mit seinen eigenen Schattenseiten bewußt umzugehen. Nur auf diese Weise läßt es sich verhindern, daß 'außerkörperlich' die Gestalt des Doppelgängers einzig dazu benutzt wird, dunkle Aspekte hemmungslos und unbewußt auszuleben. Der Doppelgänger (Astralkörper) ist wie der physische Leib "nur" ein Körper.

Wie jeder Körper ist auch der Astralleib eine 'Wohnstätte' bzw. ein Vehikel für das Ich - mit ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Nun sind die Eigenschaften eines Körpers dem Ich nicht von allem Anfang an vollumfänglich bekannt. Sie müssen erst erfaßt werden, und das Ich muß lernen, mit ihnen umzugehen. Für diesen Lernprozeß braucht es eine gewisse Zeit der Angewöhnung und Auseinandersetzung. Im Zusammenhang mit dem physischen Leib geschieht dies von frühster Kindheit an. Der Mensch wird sich seiner Körperlichkeit erst nach und nach bewußt - und für einen optimalen Einsatz z.B. beim Schwimmen oder Bergsteigen braucht es u.U. einen größeren Trainingsaufwand. Ein Kleinkind kann Arme und Beine nicht wie ein Kung-Fu-Meister einsetzen. Vielen Erwachsenen gelingt es nicht, ihre Emotionen in eine Auseinandersetzung einzubringen.

Nun drücken sich innere, 'seelische' Zustände immer irgendwie körperlich aus - z.B. als Errötung (Freude, Zorn ...), als Erbleichen (Angst, Schreck ...), als Wucherung (Kummer ...). Die negativen Seiten wie beispielsweise Neid, Mißgunst, Bosheit, Rücksichtslosigkeit, Machtgier und Egoismus werden gerne auf eine andere Person abgeschoben (projiziert) - oder eben dem 'Doppelgänger' aufgebürdet! Dieser handelt dann ähnlich wie die Schattenseite von Mr. Jekyll, nämlich als ein Mr. Hyde.

Bei Jekyll und Hyde kommt es zu einer Aufspaltung verschiedener Persönlichkeitsteile in einem Körper, währendem beim 'Doppelgänger' eine Bewußtseinsübertragung bloß der Schattenseiten des Ich stattgefunden hat. Der 'Zweitkörper' treibt dann des Nachts sein Unwesen als ein Mr. Hyde - als Traum-Ich. Der 'positive' Teil des Ich schlummert in dieser Zeit als ein Mr. Jekyll friedlich im physischen Körper und verdrängt notfalls unpassende Erinnerungsteile. Oder es wird ein Traum-Ich konstruiert, das nicht "ganz zurechnungsfähig" ist und notfalls nur einer schulpsychologisch korrekten Deutung bedarf. Überhaupt ist es so, daß sich das Ich mit Vorliebe nur mit den positiven Seiten seiner selbst identifiziert und eine Körperlichkeit für sich in Anspruch nimmt, die allgemein als Wachzustand des physischen Körpers bekannt ist.

Dieses Vorgehen ist ungemein praktisch, denn es verharrt durchwegs in der Eindimensionalität:
- Es gibt nur ein Ich - somit besteht keinerlei Notwendigkeit, etwaige Schattenseiten zu integrieren und in allen Fällen die volle Verantwortung zu übernehmen.
- Es gibt nur einen Körper, nämlich den physischen - somit besteht keinerlei Notwendigkeit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß das bewußte Ich in einem 'Doppelgänger' oder sonst irgendeiner Körperlichkeit 'inkarniert' sein könnte.

Es kann jedoch auch folgende Ansicht vertreten werden, die - verglichen mit der eindimensionalen Auffassung - einem 'Quantensprung' gleichkommt:
- Es ist dem Ich durchaus möglich, eine andauernd wachsende Ganzheit durch Integration auch von 'negativen' Teilen zu erlangen ('Individuation', 'Selbstwerdung').
- Das Ich als bewußte Einheit ist nicht identisch mit irgendeinem Körper, sondern kann jeden beliebigen Körper als Vehikel benutzen und ihm mittels 'Bewußtseinsübertragung' 'besetzen'.

Der bekannteste Fall einer 'Bewußtseinsübertragung' ist die 'Inkarnation' in die physische Körperlichkeit, die aber vollumfänglich erst nach und nach - und keineswegs immer - bewußt wird. Manche Kinder äußern sich zwar sehr zur Überraschung ihrer Umgebung auf eine Weise, die vermuten läßt, daß sie eine gewisse Ahnung von einer 'Bewußtseinsübertragung' haben, aber meist werden ihre Aussagen ignoriert bzw. nicht problematisiert.

Der einfachste Fall einer 'Bewußtseinsübertragung' ist wohl die 'außerkörperliche Erfahrung' (AKE, OOBE), bei der das Ich in den 'Zweitkörper' hinüberwechselt und in der Folge als 'Doppelgänger' agiert.

Für gewöhnlich findet eine 'Bewußtseinsübertragung' statt, wenn das Ende der 'außerkörperlichen Phase' erreicht ist. Das Ich kehrt in den im Bett liegenden, schlafenden physischen Körper zurück. Dies mag mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein, denn manchmal es ist unmöglich, den physischen Körper zu bewegen (kataleptischer Zustand), aber das Problem löst sich von alleine, wenn das Ich den Versuch unterläßt, 'angestrengt bewußt' in den im Bett liegenden Körper hineinzuschlüpfen und sich statt dessen dem Geschehen 'hingibt'.

Erstaunlich ist eine von H.B. Greenhouse in "The Astral Journey" erwähnte 'Bewußtseinsübertragung', bei der ein verstorbenes Mädchen den Körper einer Lebenden für einige Zeit übernimmt, während der diese im "Jenseits" Heilung ihrer geistigen Krankheit erfährt. Die Übernehmerin lebt während der Zeit der Übernahme bei ihren eigenen Eltern und erinnert sich auch an alles, was sie früher an diesem Ort "gelernt" hat. Dann kommt es zu einem abschließenden Wechsel, denn die "ursprüngliche" Trägerin beendet nach ihrer Heilung die Jenseitsreise und kehrt wieder in ihrem Körper zurück - und geht anschließend in ihr eigenes Heim.

Von 'verloren gegangenem Wissen' bezüglich der 'Bewußtseinsübertragung' schreibt S.K. Ramachandra Rao in "Tibetan Meditation" (New Dehli: Arnold-Heinemann, 1979:81-82): Marpa "is said to have been an adept in the art of 'transference of consciousness' which he learnt from Naropa. However, he did not transmit this art to any of his disciples. He had transmitted it to one of his sons, who unfortunately predeceased him."
(Vom Marpa wird erzählt, er sei ein Adept in der Kunst der 'Bewußtseinsübertragung' gewesen, die er von Naropa gelernt habe. Er vermittelte diese Kunst jedoch keinem seiner Schüler, aber einem seiner Söhne. Leider starb dieser noch vor ihm.)

Von einer mehr 'gefühlsmäßigen Bewußtseinsübertragung' wird in J.H. Pollack "Croiset der Hellseher" berichtet: "Eine andere Besonderheit Croisets ist die, daß er unbewußt Gedankenverbindungen herstellt, daß er versucht, sich selbst in einem anderen Menschen zu sehen. Obwohl es sich hierbei nicht um eine Übertragung des Ichs handelt, ist diese gedankliche Neigung doch damit verwandt" (S.24). Und Raoul des Fleurière sagte einmal: "Ich habe die Empfindung, als wäre der Mensch, dessen 'Induktor' ich in der Hand habe, in meinen Körper eingetreten und als wenn ich in jeder Hinsicht dasselbe dächte, fühlte oder wollte wie er selbst. Bei anderen Gelegenheiten habe ich den Eindruck, als wäre ich in seinen Körper eingedrungen" (ibid. S.24). Mme. de Sévigny sagte zu ihrer Tochter, die an einem schmerzhaften Husten litt: "Meine Tochter, ich fühle einen Schmerz in deiner Brust" (ibid. S.25). - Croiset "sieht häufig Ereignisse im Leben anderer, die Geschehnissen in seinem eigenen, besonders in seiner Kindheit, ähneln" (ibid. S.25). Das 'Einfühlungsvermögen' ist gewissermaßen die 'Vorstufe' der 'gefühlsmäßigen Bewußtseinsübertragung'

Von einer 'passiv erlittenen Bewußtseinsübertragung' schreibt J.H.M. Whiteman in "The Process of Separation and Return" S. 273. Er ist der Erleidende in dem Moment, als ein anderer sein Bewußtsein in das seinige überträgt.

Eine 'Bewußtseinsübertragung' kann auch in ein Tier geschehen, worüber in verschiedenen Schamanismus-Büchern schon einiges gesagt worden ist. Hierbei geht es oft um den Versuch einer zauberischen Ausspähung.

An dieser Stelle seien noch zwei Erfahrungen erwähnt, die als "Bewußtseinsübertragungen" bezeichnet werden können:
der nicht-luzide Traum vom 5.8.1970, in dem es zur Verwandlung in einen Lindenbaum kommt (beschrieben in Quellen der Nacht S. 191-193) und der luzide Traum vom 22.11.1980 Ein Leben als Krokodil. Obwohl es sich bei diesen beiden Erlebnissen nicht um OOBEs handelt, zeigen sie deutlich, worum es geht. Sie weisen gleichzeitig darauf hin, daß sowohl in einem gewöhnlichen wie auch in einem luziden Traum außerordentlich wichtige Dinge geschehen können.

Im Verlaufe der Vereinigung wird immer deutlicher der abgrundtiefe Zwiespalt der Frau faßbar. Sie ist etwa 35 Jahre alt, recht hübsch, nicht besonders schlank und hat einen pfirsichhaften Teint. Bezüglich ihrer Sexualität ist sie sich selber gegenüber unehrlich und kann nicht einmal "im Traum" gewisse Verdrängungstendenzen aufgeben. Das Geschehen ist für sie eine eher unbewußte Angelegenheit. Dank meiner kristallklaren Bewußtheit gerate ich in große Schwierigkeiten! Um etwas in dieser Art skrupellos durchziehen zu können, wäre in meinem Fall eine Bewußtseinsminderung bzw. eines Abaissement notwendig. Die Sorgen und Nöte dieser Frau könnten mir einzig dann nicht bewußt werden, wenn sie durch eine gehörige Portion Verdrängung meinerseits hinweggeschwemmt werden. Das würde jedoch bedeuten, daß ich das Wissen um meinen Zustand und damit die Kontinuität des Ich-Bewußtseins aufgebe - und mich der Unbewußtheit überlasse.

Jetzt ist mir auch begreiflich, was 'Traumzensur' praktisch meint. Sie verhindert nämlich, daß diese Frau etwas vom Geschehen mitbekommt - oder ihre geheimsten Wünsche wenigstens in Traum einmal zuläßt. Offensichtlich hat die Schläferin im Alltag eine derart vehemente Ablehnung gegenüber dem Sexuellen in all seinen Aspekten entwickelt, daß sie durch die tagsüber aufgebauten Vorstellungen gefesselt bleibt. Sie zwingt sich regelrecht dazu, ihre 'offizielle' Einstellung beizubehalten - auch angesichts der Traumsituation und der damit gegebenen Möglichkeiten, den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben. Ein Sich-Fallen-Lassen kommt unter keinen Umständen in Frage. Es kann kein Zugeständnis gegenüber den persönlichen Wünschen geben, also bleibt nur die schroff zurückweisende Haltung - auch sich selbst gegenüber! Angesichts der Ambivalenz zwischen Wunsch und Zwangsvorstellung kommt es sogar zu einer Umdeutung. Diese gipfelt darin, daß die Frau sich selber als Opfer einer Vergewaltigung sieht!

Ich habe das Gefühl, daß die Frau sich unter der Last einer selbst verursachten Pein regelrecht "windet" und "krümmt" - und zwar solange, bis es ihr endlich irgendwie gelingt, dem alptraumartigen Geschehen zu entfliehen. Plötzlich bin ich nämlich mit dem "Leintuch" alleine und sehe auf ein leeres Bett hinunter. Die Frau ist offensichtlich verschwunden. Aber wohin und wie? Zunächst bin ich total verblüfft, doch bald einmal merke ich, daß sie "körperlich" aufgestanden ist. Und zwar auf eine ganz normale Art und Weise. Sie ist offensichtlich aufgrund des schrecklichen Zwiespalts in ihrer gewohnten Alltagsumgebung (!) erwacht, aufgestanden und sogleich auf die Toilette gegangen. Dort wird sie jetzt wohl versuchen, den schrecklichen Traum möglichst schnell zu vergessen.

Wenig später kommt sie zurück. Ich merke an ihrer "emotionalen Schwingung", daß sie etwas verstört und - vor allem - am Verdrängen und Vergessen ist. Außerdem ist der "Ausstrahlung" zu entnehmen, daß sie "denkt" bzw. das Gefühl hat, nur zusammen mit ihrem Gatten sei "dies" erlaubt. Und weiter "höre" ich sie sagen: «Mein Mann ist nicht hier! Und jetzt hab ich etwas grauenhaft Abscheuliches geträumt! Schrecklich! Wie kann es nur sowas geben!?»

Ich bin davon überzeugt, daß es jetzt nicht darum geht, mich irgendwie bemerkbar zu machen und zu entschuldigen. Tatsache ist vielmehr, daß ich selber es bin - als bewußtes Wesen -, dem diese Erfahrung als ein ungemein beeindruckendes Lehrstück zustößt. Sie geschah notwendigerweise, um mir ganz deutlich zu zeigen, daß auch das Unvorstellbare geschehen kann.
«Im Zweitkörper ein Incubus!»
Mich im außerkörperlichen Zustand in einer solchen Rolle zu sehen ist höchst erstaunlich und außerordentlich verblüffend. Die wahnwitzigen Probleme der "Hexenzeit" rund um die Succubus- und Incubusfrage (Anm.3) bekommen plötzlich eine brennende Aktualität.
«Wenn damals tatsächlich die Fähigkeit bestanden haben sollte, bei vollem Bewußtsein außerkörperlich solche Dinge zu tun, lassen sich die Erzählungen von Vergewaltigungen durch Geistwesen nicht mehr als bloße Fantastereien und Hirngespinste abtun. Sexuelle Übergriffe sind außerkörperlich prinzipiell möglich - und sie kommen effektiv auch vor!»
Diese lapidare Feststellung läßt mich etwas ratlos zurück.

Zur sexuellen Praxis im außerkörperlichen Zustand ist anzumerken, daß es durchaus sein kann, daß in den alten keltischen Erzählungen der Zugang zur Anderwelt nicht nur einfacher zu finden, sondern auch weniger durch «kulpabilisierende Phantasmen» (Matthews 1994:250) behindert ist. Das Christentum mit seiner Idee, 'sexuelles Tun außerhalb der Ehe und unter Ausschluß der Möglichkeit, Nachwuchs zu zeugen' sei sündhaft, war beispielsweise unbekannt. Ich selber bin innerhalb eines streng katholischen Rahmens aufgewachsen, hatte also als erstes und immer wieder mit extrem "kulpabilisierenden Phantasmen" zu kämpfen - und diese zu überwinden.

Die mit dem Christentum errichteten Schranken sind im allgemeinen Denken trotz Mißachtung päpstlicher Weisungen, Basistheologie und Kirchenaustritten immer noch tief verwurzelt - und es kann keineswegs ausgeschlossen werden, daß sie sich nach wie vor - auch - in mir selber auswirken. Aber selbst wenn die durch das Christentum vorgegebenen Gebote und Verbote nicht mehr in Form innerer Hemmungen zum Tragen kommen, ist der Zutritt zur Anderwelt erschwert - nicht nur für einen "archaischen keltischen Helden". Vor allem das Fehlen von Wissen oder Mut wirken sich verheerend auf das Überschreiten irgendeiner Grenzzone aus. Auch heutzutage müssen die eigene Unwissenheit, die eigene Verzweiflung und das eigene Zögern besiegt werden - nicht nur in bezug auf die Aufrechterhaltung der Kontinuität des Ich-Bewußtseins (BK) im Zusammenhang mit der Sexualität.

Teil 2


Anmerkungen

Anm.1: Zu 'Gagele' vgl. Anmerkung 2 des Textes "Gefährliche Felder"
Anm.1 Ende - zurück zum Text


Anm.2: Weitere Synonyme vgl. Keyword-List von Charles C. Goodin.
Anm.2 Ende - zurück zum Text


Anm.3: Die folgenden Hinweise sind dem Buch "Die teuflische Wollust" von R.E.L. Masters entnommen:
Incubus-Geister werden beispielsweise als stoffliche Engel angesehen, die durch ihre Unzucht mit Frauen der Sünde anheimfielen. Auf diese Weise sollen auch manche Riesen entstanden sein. Sie gehorchen den Teufelaustreibern nicht, zeigen keine Furcht vor Exorzismus und reagieren überhaupt nicht auf geheiligte Gegenstände und Namen.
Synonyme: Bhootums, Coche Mares, Duenden, Dvorovoi, Ephialtes, Feigenfaune, Faune, Folletti, Follets, Gandharvas, Kobolde.
Succubus-Geister gelten z.B. als Wesen mit feurigen Flügeln, die schlafende Knaben heimsuchen, sie mit wollüstigen Liebkosungen überschütten und in eine entsetzliche sexuelle Erregung versetzen. Bevorzugtes Liebsobjekt ist ein menschlicher Schlafwandler. Sie verkehren auch mit Tieren geschlechtlich.
Synonyme: 'Alukah, Ardat-Lile, Brusas, Cambionen, Coche Mares, Albgeister, Compusae, Drujas, Hyphialtes, Freitagsgeister, Lamien, Nosferat, Ornias, Pishauches, Poludnista, Upierzyca, Vampir, Viechtitsa, Yukshee.
Anm.3 Ende - zurück zum Text


Literaturverzeichnis

Matthews, John und Caitlin. Lexikon der keltischen Mythologie. München: Heyne (Sachbuch Nr. 19/280), 1994.
(Herausgegeben, übersetzt und bearbeitet von Michael Görden und Hans Christian Meiser unter Mitarbeit von Chris Burton - Titel der Originalausgabe: BRITISH & IRISH MYTHOLOGY. Die Originalausgabe erschien 1988 beim Verlag The Aquarian Press, London.)
Christoph Roos hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht.
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Thompson, Keith. Engel und andere Außerirdische UFO-Phänomene in neuer Deutung. München: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf: 1993.
(Aus dem Amerikanischen von Esther Mattille und Brigitta Neumeister-Taroni. Originaltitel: Angels and Aliens; Addison & Wesley, New York 1991.)
Christoph Roos hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht.
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